Parallele Welten – Die Insel:
Keine Parallelität, sondern ein
wahlloses Nebeneinander

“Die Insel” des Bielefelder Ensembles Parallele Welten hinterließ ein eher fades Gefühl. Eine Vielzahl von Fragen wurde aufgeworfen und dann eigentlich bloß liegen gelassen, sei es Integration oder Suizid. Das alles hat aber im Großen und Ganzen eher kalt gelassen, weil die Aussagen oftmals eher allgemein als konkret waren und dadurch nur wenig Gefühl transportierten. Das puristische weiße Bühnenbild und die nostalgische Schaukel konnten leider nicht über die gravierenden inhaltlichen und dramaturgischen Mängel des Stückes hinwegtäuschen. Ein roter Faden war nicht ersichtlich, dafür viele rote Accessoires. Die angesprochenen Fragen lagen wahllos nebeneinander und wirkliche Zusammenhänge wurden nicht ersichtlich. Eher befremdlich wirkte auch der minutenlange, völlig surreale Animationsfilm, der die Message des gesamten Stücks mit den Worten des persischen Dichters Rumi zusammenfasste und völlig aus dem Rahmen fiel. Eine Fußnote wäre hier eventuell hilfreich gewesen. Die Figuren wirkten ein wenig verloren, weil glaubhafte Erzählanlässe fast gänzlich fehlten. Viele Elemente, wie beispielsweise Musikeinlagen, schienen nur um ihrer selbst Willen vorhanden zu sein. Die Instrumentalisierung der Suiziddrohungen von Anonymous war eine ungeschickte dramaturgische Entscheidung und sollte vermutlich als Erzählmotor dienen, was nicht nur konstruiert wirkte, sondern auch an Geschmacklosigkeit grenzte. Leider blieb eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Problematik aus.

Erfreulich hingegen waren sehr viele schöne Choreographien, besonders in stummen Szenen, wie beispielsweise die zufälligen Begegnungen im Chat, ganz zu Beginn, die schauspielerisch fabelhaft umgesetzt waren. Die Begleitung mit Live-Musik hat ebenfalls sehr gut funktioniert und reizvoll war auch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Gruppendynamiken in der Anonymität des Internets, Stichwort: cybermobbing, shit storms etc.. Alles in Allem ein schwieriges Stück, das sich aufgrund der Zusammenhangslosigkeit stark in die Länge zog und konzeptuell überarbeitet werden müsste, um auf der Bühne wirklich funktionieren und bestehen zu können.

Foto: Dave Großmann