ABC der Choreographie:
O wie Ortsspezifik

Ortsspezifischen Tanz gab es dieses Jahr ganz groß beim Festival Foreign Affairs, als Boris Charmatz das Sowjetische Ehrendenkmal im Treptower Park betanzen ließ. Ortsspezifisch nennt man das, weil der Tanz nicht mehr in einem (beliebigen) Bühnenraum stattfindet, sondern an einem bestimmten Ort außerhalb, dessen Gegebenheiten genutzt und choreographisch eingebunden werden.

Hinter dieser Fokussierung auf einen bestimmten Ort steht die Vorstellung, dass Tanz eigentlich nie kontextunabhängig ist, dass der beliebige Bühnenraum gar nicht existiert und die ganz spezifische Umgebung immer schon Teil des Tanzes ist. Nach dieser Vorstellung ist jeder Tanz ortsspezifisch, und der bewusst ortsspezifische Tanz ist einer, der die Raumgebundenheit des Tanzes reflektiert und mit einbezieht. Als choreographische Strategie gibt es das mindestens seit den 1960ern mit dem Postmodern Dance und dem Judson Dance Theater. Ihr kennt dieses Konzept vielleicht von Meredith Monk mit Juice (1969), Trisha Brown mit Walking on the Wall (1971) oder Roof Piece (1973).

Ortsspezifisch ist auch das erste Tanztreffen gestartet. Bevor die Tänzerinnen und Tänzer die Bühne betreten durften, haben sie sich erst einmal den gesamten Bau angeeignet und seine choreographischen Möglichkeiten ausgetestet – von der Parkplatzrampe bis zum denkmalgeschützten Teppich im Unteren Foyer. Die Highlights gibt’s in unserer Galerie:

Fotos: Dave Großmann