Lochland

Die Nachtkritik wird noch in derselben Nacht geschrieben, in der das Stück gezeigt wird.

Viele einfache und kluge Effekte. Eine Geschichte wie sich ein Loch in das Leben frisst in ein Märchen verpackt über Absperrer, Dorfbewohner, Kundschafter und geldscheißende Wolkenmacher. Der König fehlt auch nicht. Ein Stück über verloren gegangene Heimaten, ohne ein Heimatstück zu sein. Beginnen wir von vorne. Eine Bühne mit schwarzen Wänden. Die Jugendlichen hängen Bilder auf. Sie umreißen das Thema. Ein Loch, dass immer mehr Häuser frisst. Wir stehen mit ihnen am Absperrband. Die Dorfbewohner versuchen die Absperrer zu überzeugen, zumindest jetzt noch nicht abzusperren. Leider passiert kein Wunder. Die Dorfbewohner werden auf Befehl des Königs umgesiedelt in kleinere Häuser. Ein Ort ohne Geschichte, ohne Erinnerungen, ohne Bilder in den Rahmen. Sie versuchen, sich zu wehren, aber schnell herrscht Resignation. Manche von ihnen ziehen zum Loch. Folgen den Tieren, die sonst keine Zukunft für sich sehen. Entweder enden sie als Essen oder fliehen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, das Loch hört auf zu wachsen, aber die Absperrer schreiten schnell zu Werke, schließlich will der König mit Reisebussen voller Touristen Geld machen. So wächst das Loch und wächst. Die Bewohner fragen sich, was denn das Loch so wachsen lässt und der König schickt Kundschafter aus. Einer von ihnen steigt herunter. Wir sind im Loch und kommen dem Geheimnis immer näher. Wolkenmacher sind es, die Löcher wachsen lassen. Und warum? Sie müssen Geld stapeln. Sie scheißen Geld. Und um Geld scheißen zu können, brauchen sie Wolkensteine. Und deshalb müssen sie immer weiter graben. Das ist ein (Wirtschafts-)Kreislauf, ohne Bewegung, Verstopfung, Stillstand. Nullpunkt.

Wir steigen mit den Jugendlichen tief in ein Bergwerk ab. Was anfangs erfunden wirkt, wird zum Ende hin ein abstrahiertes Stück über den Kohleabbau. Aber anders gedacht. Es geht nicht um die Kumpel und es geht auch nicht um die Umwelt. Es geht um Menschen, die den Boden unter den Füßen verlieren. Zum Schluss noch viel Pathos.