Freiheit und Demokratie,
Du Wichser:
Predigt mit penetranter
Botschaft

Zwei Mädchen stehen Hand in Hand auf der Bühne, maskiert als Christus und als Hitler, eine der beiden ist mit Kunstblut beschmiert, an dem Blut klebt Konfetti. Wie konnte es dazu kommen? Die Gruppe TaGGS vom Goethe-Gymnasium Schwerin hat provoziert. Das Stück heißt Freiheit und Demokratie, du Wichser: eine Versuchsanordnung. Vorgetragen wird eine Reihe von Monologen aus der Perspektive von sexsüchtigen Westeuropäern, islamistischen Terroristen, veganen Gutmenschen, Fitness-Studio-gestählten KiPo-Konsumenten, visionären Nationalsozialisten. Ein Wachsfigurenkabinett aus politischen Inkorrektheiten. Die Monologe sprudeln dahin, die zwölf jungen Schauspieler wechseln die bizarren Rollen wie Kleider. Während einer spricht, verharren die anderen elf im Freeze. Es ist eine ermüdende Predigt mit einer penetranten Botschaft: Seid betroffen. „Mir fallen dazu einfach keine Worte ein,“ sagen mir einige Leute im Foyer nach der Aufführung, „Ich muss das erst einmal verkraften.“