Almost Lovers

Die Nachtkritik wird noch in derselben Nacht geschrieben, in der das Stück gezeigt wird.

Mit Ekstase gestartet. “Wir werden sehen, wer hier stark ist,” fordert Mann die Welt heraus, um dann mit dem Beat und der Gang in Tagträume zu verfallen, die sich teils hart miteinander brechend aneinander anschließen. Denn wenigstens in solchen Heldenfantasien kann Mann als Braveheart oder Frodo seine Gefährten um sich sammeln, sei es um nach dem Fluch-der-Karibik-Soundtrack einen Segelturn zu evozieren, auf dem die Kekse aufgegessen werden. Oder um die Theatermaschinerie anzuschmeißen und mit viel (wirklich viel) Nebel das Glück im Sieg Fortunas zu suchen. Irgendwie den lebendigen Körper einsetzen. Nur findet sich die Individualität des Körpers hauptsächlich in der Wahl des präferierten Heroes – und seiner Fähigkeit, aus den Arschbacken Laserstrahlen zu schießen -, nicht aber bei den klassischerweise als typisch männlich empfunden Themen wie Sport, Schule, Sex, Gewalt. In überzeichneter Ernsthaftigkeit tanzen die Jungs jede ihrer Musical-Einlagen und finden in der Ironie einen scheinbar unschuldigen Weg, die immerewigen Themen anzusprechen, ohne der Lächerlichkeit zu verfallen. Vor diesem Hintergrund bleibt dabei die nur angedeutete Vater-Sohn-Beziehung unheimlich, folgt einem Typus. Eines vielleicht nichtsdestotrotz Manchmal braucht ein schönes Gesicht keine Schminke. Manchmal braucht eine Produktion nicht jede illustrative Projektion.