Mutter Kuhranch:
Das Gold am Ende des Trecks

Ich bin traurig. Am liebsten würde ich immer nur von schönen Dingen schreiben, mit schönen Worten und tiefen Gedanken. Ich möchte jubeln, feiern, auf Tischen tanzen, solche Sachen.

Und ich hab gedacht, so, wenn irgendwas schon „Mutter Kuhranch oder wie Aristoteles Brecht post mortem 2:0 besiegte“ heißt, dann klingt das so absurd und lustig und intelligent, dass es zünden muss. Einfach muss. Etwas aus Fußball, Brecht, Tschechow, Aristoteles, Bonanza müsste schon ziemlich nah dran sein an Schwarzpulver.

Ich habe sowas noch nie gemacht, aber Schwarzpulver herzustellen beinhaltet, fragt Wikipedia, eine ziemliche Menge Reiben und Zerkleinern. Im Gegensatz zu z.B. Nitroglycerin, was einfach so explodieren würde, ohne Reiben, wenn man einen 2kg-Hammer aus 10-12 cm drauf wirft.

Und so bin ich relativ elegant dort, wo ich hinmuss (aber nicht hin will): Reiben und Zerkleinern als Voraussetzung für Sprengwirkung. Das hätte man mit der Courage und Tschechow und Aristoteles machen müssen und dann, BÄNG, vielleicht. Wahrscheinlich. Fast sicher.

Sich an Brecht oder Tschechow zu reiben und sich an ihnen abzuarbeiten, sich an ihnen aufzuarbeiten, sie aufzuarbeiten, das hätte ich sehen wollen. Dieses so schwer zu machende und aber leicht aussehende Tänzeln und Flirren zwischen den Texten und Ideen. Postmoderne, Metazeugs, Vau-Zeugs. Da reicht es aber halt nicht, die Weigl als Mutter Courage richtig gut nachmachen zu können. Oder wirklich gut sprechen zu können. Oder ein Farbkonzept zu haben, wie im Programmheft erläutert.

Da hätte man richtig tief reingemusst. In die Niederungen der Dramentheorie, in die Postmoderne, auf die Metaebene. Und alle wissen, dass es da nirgends besonders bequem ist, gekennzeichnete Wege gibt es da auch nicht. Ganze Trecks sind da schon verschwunden. Nur ist nicht weiter Richtung der weißen Flecken zwischen Brecht, Tschechow und Aristoteles (wo war der eigentlich? Ist Bonanza die Umsetzung der ποιητική*? Oder doch Brechts Courage, weil man mit der Kuhranch fühlt und fürchtet? Ah geh.) zu ziehen auch keine wirklich gute Option, wenn man nach Westen will, Gold zu suchen. Und dass es da Gold gebe, wissen alle.

Der Konjunktiv ist in Theaterkritiken keine schöne Sache. Weil es ja nicht darum geht, was es hätte geben können, sondern darum, was war. Bonanza. Ich habe Euer Bonanza geliebt, und für mehr Reiten, Shootouts und wackre Cowboys hätte ich gerne auf Brecht und Tschechow und Co. verzichtet.

Ich möchte solche roten Cowboystiefel mit silbrigen Beschlägen und ich will Euch nochmal auf eure Pferde steigen und in den Sonnenuntergang reiten sehen. Ich könnte immerzu zugucken, wie ihr in den Sonnenuntergang reitet.

* Autorin ist Altgriechin bzw. nicht, sondern war bei Wikipedia und hat “Poetik“ gecopypastet

Foto: Dave Großmann