Mutter Kuhranch:
„Ach, Dirndl,
bleib doch Zuhause!“

Besuch auf der Kuhranch des ehemaligen Grundkurses „Dramatisches Gestalten“ Unterschleißheim

Bevor wir dieses Stück nicht gesehen haben, tun sich echte Schwierigkeiten auf zu beschreiben, um was es hier heute Abend gehen soll: Nach eigenen Aussagen werden Bonanza, die drei Schwestern (Tschechow) und Mutter Courage (Brecht) ambitioniert miteinander verflochten. Man importiert die russische Seele nach Amerika, Drama-Text wird ins Fernsehserien-Format gebastelt, Verfremdungseffekt bändelt mit Katharsis an, Hobby-Marxismus trifft auf Cowboy-Helfersyndrom, Popkultur prallt auf Kapitalismuskritik. Daneben springt man freudig in der Zeitrechnung. Hier wird gepuzzelt, was das Zeug hält, aber Moment: Wo ist da nochmal der rote Faden?

Das Prinzip funktioniert jedenfalls so: Spaß haben UND Denkanstöße geben! „Die verschiedenen Inhalte haben mehr miteinander zu tun, als man zunächst glaubt!“ Bei „Mutter Kuhranch“, der Produktion des ehemaligen Grundkurses „Dramatisches Gestalten“ (Carl-Orff-Gymnasium) aus Unterschleißheim (Bayern) hält man sich an die Fiktion, die in den vorangegangenen Produktionen zunächst wenig Beachtung fand. Die eigene Biografie hat heute Abend Hausarrest! Das darauf folgende Kommentar einer Darstellerin: „und bittebitte, frag jetzt nicht, ob ich mich mit meiner Figur IDENTIFIZIERE!“

Und wieso hat dann auch noch Aristoteles Brecht post mortem 2:0 geschlagen?! „Brecht widerspricht sich einfach! Er wollte, dass das Publikum nicht mitfühlt, aber bei der Uraufführung von Mutter Courage (1941) blieb kein Auge trocken. Das, was Brecht vermeiden wollte, war genau das, was er letztendlich beförderte. Absurd, oder?!“

Die 25-köpfige Crew (20 DarstellerInnen, 5 TechnikerInnen) bezeichnet sich selbst als harmonische Truppe: Über Entscheidungen im Probenprozess hat man demokratisch abgestimmt. Zuletzt haben sie noch 4 DarstellerInnen austauschen müssen, weil diese nicht nach Berlin mitkommen konnten, „das war ganz schön stressig“. Auch die Berliner Bühne ist viel größer als die zu Hause – aber keine Panik: „Wir sind flexibel!“. Das Stück war letztes Jahr übrigens schon bei den Bayrischen Theatertagen eingeladen, beim TTJ sind sie dieses Jahr aber zum ersten Mal dabei und freuen sich auf später: „Aber mehr verraten wir nicht.“ Nur die echten Ponys, die bleiben heute Abend draußen, oder? tabea

Foto: Dave Großmann