Müssen nur wollen:
X-Treme-Terror
beim Schwarzen Mann

Was die Düsseldorfer Schüler der Theatergruppe am Goethe da am Sonntag auf die Bühne gebracht haben, war vor allem eins: ein Alptraum. Die erste Aussage des Stücks: Gewalt durch Familie und Freunde sei an der Tagesordnung. Ist das wirklich so? Die Spieler beweisen es: Da wird getreten, geschlagen, angeschrien, unterdrückt (auch: unter Wasser gedrückt). X-Treme-Terror beim Schwarzen Mann, Kasernenton und Trillerpfeifendrill, und dann diese ständige Ausgabe von kleinen, weißen Kügelchen, die manchmal an Medikamentenverteilung in Gruselirrenanstalten erinnert, manchmal an ein Leckerli-Versteck-Spiel mit dem freundlichen Nachbars-Labrador. So oder so: Gruselig. Gleichgeschaltete Kinder, die in Autoreifen eingekerkert, fürs Spielen bestraft werden. Immer begründet mit Passagen aus einem ominösen Erziehungs-Regelwerk, das irgendwie so gar nicht in das 21. oder wenigstens 20. Jahrhundert passen will.
Und so verhält es sich leider auch mit dem ganzen Stück. Der Zuschauer weiß ja, die Kinder von heute haben mit Konzentrationsschwäche und Leistungsdruck zu kämpfen, ja – aber werden sie wirklich in einem Fort geschlagen und angebrüllt? Es gelingt dem Düsseldorfer Ensemble nicht, die Wilhelm-Busch-Erziehungsgeschichten wirklich auf die eigene Situation zu beziehen, tatsächliche Tendenzen der heutigen Kindererziehung aufzuzeigen oder zu kritisieren. Ihr Stück wirkt eher wie ein entfernter Ruf nach Veränderung aus einer längst vergangenen Zeit – man glaubt ihnen nicht. Weder, dass sie aus einem Umfeld kommen, in dem Gewalt an der Tagesordnung ist, noch dass sie mit ihrer Drei-Eltern-Typen-Einteilung wirklich ihre Elterngeneration verstanden hätten. Schon gar nicht, dass sie ihre Kuscheltiere anzünden würden. Vielleicht wäre das ja auch alles ein bisschen viel verlangt für ein Schülerensemble der Klassenstufe 8-10, aber vielleicht hätte man dann doch eben ein bisschen mehr von sich selbst erzählen sollen. Denn manchmal muss man eben nicht nur einfach wollen. Sondern können.