Clash:
Mach die Darlings
Krankenhaus

Das Problem ist: Man muss eine Drehbühne nicht benutzen, wenn es nichts zu drehen gibt. Man muss auch nicht große Technik benutzen, um große Geschichten zu erzählen, genauso wenig wie man nicht alle Scheinwerfer benutzen muss, wenn man etwas deutlicher machen möchte. Man muss im Theater eigentlich nicht sonderlich viel, sollen muss man auch nicht sonderlich viel – nur wollen, das darf man ruhig. Und gewollt wurde bei “Clash” in üppigem Ausmaß.

Man nennt das “Overkill” und das ist ja erstmal nicht schlecht, es kann sogar sehr gut als Stilmittel benutzt werden: die totale Übertreibung, die totale Grenzüberschreitung, die totale Lady Gaga. Wenn Sarrazin von der Decke fällt, dann ist das schon ein ziemlich cooler Einfall. Wenn gerappt wird, ist das keine sonderlich originelle Idee. Wenn der Rap gleich darauf jedoch gebrochen und verleugnet wird (“Na, hat’s Euch gefallen, der rappende Türke!”), dann ist das wiederum eine gute Idee. Wenn Sekunden später allerdings wieder gerappt wird, dann wird der Witz wieder zurückgenommen. Das Gefühl, dass dieser Part zu ernst genommen wurde – das war irgendwie immer dabei. Dazu kommen: viel Gebrüll, das Niederreißen der Vierten Wand, eine (wohl eher aus pubertären denn dramaturgischen Gründen eingefügte) Sex-Orgie mit der erotischen Ausstrahlung einer Autobatterie und der Sinnhaftigkeit eines stumpfen Messers, wunderbare Zeitlupen-Momente und ein grandioser Affen-Auftritt vor rotem Licht. “Clash” ist wie eine etwas holprige Autofahrt: Es gibt Höhen, es gibt Tiefen, manchmal bleibt der Wagen einfach stehen, es ist ein seltsamer Rhythmus. Dramaturgisch war vieles unschlüssig – aber das passiert, wenn man alles will.

Kill your darlings! Schmeiß Deine Lieblinge raus, die Szenen, die zwar irgendwie fancy aussehen, aber die Ausdruckskraft eines Keanu Reeves haben. Das ist dann der Unterschied zwischen Übertreibung als Stilmittel und Übertreibung aus Ahnungslosigkeit.

Helden, Primitive, Affen – “Clash” reitet alle Klischees einmal ordentlich durch. Tot zuweilen auch, wenn Primitive mit Aldi-Tüten die Bühne bespielen und dabei aussehen wie Bastian Pastewkas Ottmar Zittlau. Allerdings: Es ist ein sehr guter Einstieg in das Theatertreffen der Jugend gewesen, das Publikum war mitgerissen, spendete ordentlich Applaus. Nur der Kritiker, der pöbelt wieder rum.

Ich will halt auch kein Darling sein.

Foto: Dave Großmann