Love Life Reality:
DISORDER OF ARTS

Disorder of Arts: War das jetzt ein Konzert oder ein Stück oder ein Musical?

FUCK! Das ist die neue Form des ENTERTAINMENTS! Nie wieder Kultur, Kultur hat gestern aufgehört, KMT haben zu viel Talent, Scheiße. „Ich scheiße auf abgestoßene Organtransplantate“ Die Chemnitzer scheißen mit einer volatilen Dynamik auf alles, und ich lasse mich gerne anscheißen. „(…) wir machen uns Sorgen um unsere Chancen… auf dem Arbeitsmarkt!“, singen sie jazzhändelnd, Verzweiflung kann so schön sein auf der Bühne. Dabei erfassen sie den wahnsinnigen Leistungsdruck unterbezahlter Kassierer_innen am Rande des Nervenzusammenbruchs, die Auswirkung von Leistung auf unsere Lebensziele.

Es ist ein Stück: Das Musical als ironisches Mittel, die Musik als ehrliche Metamorphose ihrer Gefühle, ihrer Politik. „Es ist einfach, sich lustig zumachen, wenn man alleine ist.“ Im existenzialistischen Bewusstseinskampf müssen wir aufeinander acht geben (hört, hört!). Adam und Eva verkehren im botanischen Garten: Heteronormer Beziehungsscheiß wird bis zum Ende an die Wand geklatscht. Der Enthusiasmus, mit dem sie die Szenen brechen, um einen sich-karikierenden übergestikulierenden Power-Kartoffelbrei zu erschaffen, hat eine entwaffnende Wirkung. Und die Musik! Schagzeugsex! Wozu gibt es überhaupt die Ohropax? Chemnitz kann nix scheiße, Ihr Angeber.

Foto: Dave Großmann