Love Life Reality:
Das Spiel mit den Brüchen

Das Chemnitzer Ensemble zeigt wie einfach es sein kann, das Publikum zu begeistern.   

“Witzig sein ist nicht schwer. Um witzig zu sein, muss man sich nur über andere lustig machen”, sagt ein Spieler und fängt wieder damit an, einen älteren Mann aus dem Publikum als Opfer zu beschimpfen. Noch vor einigen Minuten war das lustig. Mit dieser Aussage werfen die Chemnitzer*innen mehrere Fragen auf. Warum lachen wir über Opfer? Ist es nicht ein einfaches und plattes Machtspiel?

Die KarateMilchTiger treiben’s wild auf der Bühne: Gesang, Sprache und Musik vermischen sich. Mal stellen sie das Spiel aus, mal ein. Aber am Erstaunlichsten ist, dass das junge Ensemble den Bruch mit konventionellen Bildern gekonnt und präzise herbeizuführen versteht. Immer wieder zeigen sie wie vielseitig eine Figur oder Situation sein kann.

Indem zum Beispiel eine Spielerin einem Spieler erklärt, was Dungeons and Dragons sei, kehren sie sexistische Zuschreibungen um. Sie streiten, werden lauter. Er brüllt: Das hier ist auch ein Spiel. Das Licht geht aus. Und schnell wieder an. Die Wirkung ist da. Damit gelingt den Chemnitzern nicht nur das Hinterfragen von Rollenbildern, sondern auch eine Referenz an sich selbst. An das Theater als Spiel, als etwas, das zur Darstellung von Lebenswirklichkeiten dienen soll.

Trotz ihres Witzes gelingt es ihnen aber auch, zärtliche Momente zuzulassen. Beispielsweise mit einer Parkszene, in der eine Spielerin über die Kälte schimpft (‘’Da holt man sich den Tod durch den Arsch.’’), während ihr Freund ein paradiesisches Bild herbei zu beschwören versucht. Sie lässt sich überreden. Und so ähnlich haben es die Jungs und Mädels aus Chemnitz mit Charm und Talent mit dem Publikum gemacht: überredet!

Foto: Dave Großmann