Lieblingsmenschen –
Und manchmal braucht man
eben noch Schwimmflügel

Oh ja, das Stück gestern Abend gehört definitiv zu meinem Lieblingen auf diesem Festival. Es waren Lieblingsmenschen da: zweimal Anna, Sven, Jule, zwei Mal Lili, Phillip und Darius. Die Lieblingsmenschen zeigten viel von sich. Hautporen, Zahnzwischenräume und halb nackte Körper. Die Lieblingsmenschen vögeln miteinander, studieren Wissen oder Können, erzählen sich schlechte Witze, weinen voreinander, streiten sich und studieren. Und SMS schreiben sie auch noch. Immer zwischendurch ändert sich das Licht und die Musik, sie bleiben vor den Umzugskartons stehen, in denen ihr Leben verpackt ist und teilen sich in 160 Zeichen mit, dass die Welt doch nicht so schön ist, wie sie aussieht und man trotz dem ganzen „Leben“ manchmal nicht so richtig weiß, wohin mit sich. Die Studenten in Laura de Wecks Stück sind alle nicht so ganz heile, aber im Ablenken dafür ganz groß. Was soll man noch sagen, es ist ein kurzes Stück und es maßt sich auch gar nicht an, ganz großes Theater zu sein. Es ist ein Blick durchs Schlüsselloch und dabei ist es sehr warm und sehr persönlich. Es hat wunderbare Bilder, die mit der Kamera auf der Bühne eingefangen werden. Aber es verläuft sich nicht in diesen Atmosphären, sondern bricht sehr abrupt damit und wird so unserer schnelllebigen Zeit und den Figuren gerecht. Man mag sagen. es ist wenig Ich-fixiert, es stehen Figuren auf der Bühne, die sich gerne selbst dort sehen und inszenieren. Und auch der Blickwinkel geht natürlich von ihnen aus und manch ein jüngerer versteht wahrscheinlich diese doch sehr eigene Welt in Wortwahl und Humor nicht. Aber auch das passt zu den Figuren und macht sie lebendig. Denn die Lieblingsmenschen stehen vor uns da oben auf der Bühne und wir werden sehn, wo es mit ihnen so hingeht.