Licht und Lieder #3:
Rosa Hoelger

 

Rosa, wie alle Teilnehmer*innen hast Du dich im Programmheft mit einem kurzen Text vorgestellt. Du schreibst, Du willst Dich nach vielen Jahren, in denen Du Songs geschrieben hast, nun mehr der Öffentlichkeit zeigen. Was für Reaktionen hast Du in Berlin erlebt, darauf, dass Du dich hier gezeigt hast?

Also, ich hab mich schon vorher gezeigt, nur eher unter Freunden. Jetzt fand’ ich schön, was Leute gesagt haben: dass das irgendwie besonders ist, dass man meine Person darin sieht. Das ist schon ’ne Ermutigung. Oder Motivationszufuhr. Oder Unterstützung.

Du hast am Freitag dieses Lied auf der Open Stage gespielt: „Ich will nicht glücklich sein.“ Ist das von Dir?

Ja.

Der Text hatte so eine besondere Betrachtungsweise. Im Pop-Mainstream scheint es so viele Texte zu geben, die Oberfläche und Norm geradezu verherrlichen. Hast Du das Gefühl, dass Du gegen so etwas ansingst? Dass Du dich, wenn Du dich zeigst, auch gegen etwas hinstellst?

Ich stell’ mich eher für etwas Neues hin. Und ich merk’, dass es einen Kick gibt, wenn Du irgendwas machst, was Du davor noch nie gehört hast. Oder, dass Du Sachen sehr in der Musik verbildlichen kannst. Das find’ ich super spannend. Und das ist eher für etwas, als gegen etwas anderes.

Hast Du bei bestimmtem Publikum manchmal das Gefühl, dass es schwerer ist, die Atmosphäre herzustellen, die Du brauchst?

Ich glaube, ich bin eher in kleinerem Rahmen gut hörbar. Ich bin nicht einer, wo viele tanzen können, oder so. Manchmal schäme ich mich. Da ist eine Menge, die wollen Spaß haben, und ich spiele traurige Lieder. Deswegen gefällt mir die Kaffeehaus-Atmosphäre viel, viel besser. Ich glaube, dass das dort einfach besser ankommen und wirken kann.

Ich habe nicht das Gefühl, dass deine Lieder per se traurig sind.

Vielleicht ernst, oder so.

Ernst, ja. Aber gleichzeitig auch viel lustiger als … ähm … lustige Lieder. (lachen) Ich hatte das Gefühl, dass bei dir einfach die Farbpalette größer ist. Dass Du dich nicht so sehr an sprachlichen Klischees aufhältst. Schreibst Du schon lange?

Das erste, woran ich mich erinnern kann, war, als mein Lieblingspferd gestorben… — nein, nicht gestorben ist. Verkauft wurde. Da war ich neun oder acht. Ich weiß noch, dass ich im Bett lag und vor mich hingesummt hab’. Seitdem, würde ich sagen, schreibe ich. Aber auch sehr unregelmäßig. Auch mal ein halbes Jahr nichts. Oder so, dass am Ende nichts dabei rauskommt.

Erzähl‘ noch mal kurz, was das für ein Lied war, über dein Lieblingspferd!

Hm, so Yvonne Catterfield- Style. (lacht) Will ich nicht vorsingen. Hab‘ ich auch ein bisschen verdrängt, glaub‘ ich.

Was schätzt Du, ist die maximale Publikumsanzahl, wo es noch funktionieren würde und man eine Verbindung zu den Leuten herstellen kann?

Ich glaube, wenn Leute wirklich zu Dir kommen, auf ein Konzert, wo sie nur dich sehen, dann kann das auch groß sein. Dota (Kehr) macht auch Texte, wo Du zuhören musst und hat auch größere Räume. Und bei Orten, wo Du hinkommst, und es gibt auch Musik — keine Ahnung. Mit den genauen Zahlen kenn’ ich mich nicht aus. Da hab’ ich nicht genug Erfahrung.

Sieht Du schon nächste Schritte vor Dir, nach der Erfahrung auf dem Treffen junge Musik-Szene?

Ja, dass ich daran festhalte, was ich gerade mache, also aufnehmen.

Wie nimmst Du auf?

Es gibt ’ne Möglichkeit, wo ich aufnehmen kann, aber es fällt mir mega schwer, zufrieden zu sein. Ich habe oft das Gefühl, das ist nicht vollständig.

Hat es was damit zu tun, dass die Live-Atmosphäre fehlt?

Ja, ich glaube schon, dass das völlig anders ist. Auch vom Klang. Ich hab noch wenig Ahnung davon. Das ist gerade mein Schritt: Ich muss schauen, wie ich aufnehmen will, oder wie ich mir die Möglichkeiten schaffen kann, dass ich da mal zufrieden bin.

Dann hast Du ja jetzt ein sehr konkretes Problem zu lösen. 

Ja.

Viel Glück dabei.

Vielen Dank!

Titelbild: Dave Großmann