Licht und Lieder #2:
Indianageflüster

Zum zweiten Teil unserer Reihe „Licht und Lieder“ haben uns die Jungs von Indianageflüster besucht: Max (Bass), Johannes (Rap, Gesang), Luca (Cello), Josh (Schlagzeug) und Malte (Gitarre) gaben uns ein Interview und eine kleine Session. Eins von beidem hat ein bisschen besser geklappt als das andere.

Die Zeitschrift „Dearly Demented“ attestiert eurem Sänger eine Ähnlichkeit zu Casper. Das Cello erinnert mich an Apocalyptica. Ihr tragt Bandshirts von Parkway Drive. Direkte musikalische Verwandte sind aber schwer zu finden: „Rage against the machine“, „Limp Bizkit“ und die frühen „Linkin Park“. Aber auch irgendwie ganz anders. Wie seid ihr zu eurem einmaligen Stil gekommen?

Johannes: Gar nicht.

Josh: Wir setzen uns in unseren Proberaum und dudeln so lange rum, bis alle froh sind.

Wart ihr vorher befreundet? Eure Zusammensetzung ist ja speziell.

Malte: Teils Schule, teils von früheren Bands. Also Rap (Johannes), Cello (Luca) und ich, wir kennen uns aus der Schule. Und Josh und ich, wir haben vorher zusammen in ’ner Band gespielt. Max hat auch in dieser Band mitgespielt, der kam aber erst später in Indianageflüster dazu, weil wir einen Basser gebraucht haben.

Josh: Die Band klingt so wie wir halt sind.

Johannes: Wir orientieren uns an nichts. Es ist nicht so, dass wir irgendeine Musikrichtung oder einen Künstler nehmen und uns sagen, so wollen wir klingen.

Josh: Man hört aber manchmal Einflüsse raus. Das wollen wir auch gar nicht verleugnen. Wenn ich jetzt Mucke höre, die extrem krass akzentuiert ist, mit ganz vielen Breaks und ganz vielen Snare-Akzenten, dann schreibe ich danach eher ein Lied, das ziemlich rhythmusbasiert ist, glaube ich, weil ich das dann gerade geil find.

Luca: Beim Cello ist es eh immer schwer. Es klingt halt oft sehr dramatisch. Manchmal ist das der Puderzucker oben drauf…

Johannes: Manchmal kann man den nicht drüberstreuen, weils dann zu dramatisch ist

Luca: Da muss man sich dann zurecht arrangieren, irgendwie.

Ich habe rausgefunden, dass ihr die einzigen Künstler hier seid, die schon bei Spotify vertreten sind. Wie habt ihr das angestellt?

Josh: Ich bin schuld. Ich habe mal ein bisschen rumgegoogelt, was man so machen kann und da bin ich auf Spin-Up gestoßen, dass ist ein Vertriebslabel von Universal. Das ist ganz geil, weil die dich nicht abzocken. Du zahlst einen Jahresbetrag, 16 Euro für ’ne EP, dafür stellen die das bei allen großen Stores online. Und Du kriegst aber komplett alle Einnahmen. Das heißt, Du behältst deine Rechte. Sieht halt einfach nur cool aus, weil wir jetzt überall alles da haben. Aber mehr ist das eigentlich nicht.

Foto: Dave Großmann

Ihr habt ja sonst auch ziemlich viel gemacht, mit Bier und Stickern, habe ich gesehen…

Josh: Ja, das war so ein verzweifelter Versuch. Wir sind in so ’nem Bandcontest gewesen. Wir wollten halt, das Leute kommen. Ich saß verkatert zuhause, mir war langweilig, da habe ich gedacht, schenken wir einfach mal ein Bier für Karten. Aber es hat niemand Karten gekauft.

Johannes: Doch doch es wollten Leute Karten. Die haben nur kein Bier gekriegt! (lacht) Das steht noch beim Max!

Max: Mhm, ich hab’s vertrunken.

Josh: Unser Bassist war’s, der hat das Preisbier vertrunken!

Malte: Hier ist ein Thema zu erkennen.

Noch mal zu dem Bandcontest, den ihr angesprochen habt. Was ist das so für ein Gefühl? Hier ist es ja so, dass ihr andere Bands kennenlernt, sofort rum jammt usw. Bei einem Bandcontest geht es ja Band gegen Band. Habt ihr da trotzdem Spaß mit den anderen, freundet man sich da an?

Malte: Kommt immer auf die Leute an, die in den Bands sind. Manche gucken dich von oben bis unten an und sagen „Nee…“ Und die anderen, die kommen direkt zu dir und sagen, „Hey, wie cool, was ihr da macht!“.

Luca: Man trifft sich halt irgendwie immer wieder. Das ist eine gute Möglichkeit, weil man den Contest in verschiedenen Clubs spielt. Und wenn man weiterkommt, spielt man in noch mehr Clubs und muss sich nicht selbst um das Booking kümmern. Und die Bands sind dann oft aus dem selben Alter. Befreunden würde ich’s nicht nennen, aber man findet sich schon nett. Und dann kommt es auch – wenn der andere oder man selbst gewinnt und weiterkommt – leider zu komischen Situationen.

Josh: Wenn man dann gewinnt sagt man „Ja, war schon gut, was ihr gemacht habt…“

Ihr seid aus ’nem kleinen Kaff, oder?

Johannes: Aus vielen kleinen verschiedenen Käffern

Welches Bundesland?

Johannes: Rheinland Pfalz, so um Koblenz.

Und jetzt, wo ihr den Käffern eigentlich entkommen seid, wahrscheinlich schon irgendwo anders studiert, müsst ihr zum Proben wieder in die Käffer zurück?

Johannes: Amen.

Malte: Wir studieren jetzt nicht weit weg. Luca studiert 80 km weit weg, ich 20. Der Jojo ist Altenpfleger in ’nem Kaff. Wir sind eigentlich alle noch ziemlich in der Nähe.

Wie ist bei euch die Gruppendynamik? Gibt’s z.B. einen, der immer zu spät kommt bei den Proben?

Max: Jeder. Immer.

Luca: Also Jojo und ich können uns da gut das Wasser reichen. Und wenn ich zu spät komme, dann schon sehr, sehr, sehr spät.

Würdet ihr noch Musik machen, wenn ihr wüsstet, dass ihr für das Ende aller Zeiten keinen richtigen Erfolg habt? Würdet ihr dann noch in der Konstellation zusammenspielen? Oder ist das eine Frage, die völlig bescheuert ist?

Josh: Das ist ’ne Frage, die völlig bescheuert ist, weil wir absolut krass berühmt werden.

Eine kurze Runde zum Ende. Und zwar geht es einmal im Kreis: Malte, was ist dein Lieblings-rapper? (Jeder wird nach seinem Lieblingsmusiker des Instruments des Sitznachbarn gefragt.)

Malte: Ach Du scheiße.

Johannes: Mein Lieblingscellisten muss ich jetzt gleich sagen. (lacht)

Malte: Probably…Eminem.

Johannes: Der Typ mit den schwarzen Haaren von Two Cellos. Und der Luca.

Luca: Der Typ mit den schwarzen Haaren von Two Cellos? Stjephan Hauser heißt der glaub ich. Oder Luka Šulić. Die haben beide schwarze Haare. Beide cool.

Johannes: Das sind die einzigen Cellisten die ich kenne.

Luca: Mein Lieblingsbassist dann? Ich kenne da auch nur einen, den ich aber richtig cool finde, dass ist Viktor Wooten.

Max: Ich hab keine Ahnung. Ich kenne ehrlich gesagt nur einen Schlagzeuger mit Namen.

Josh: Sag‘ irgendwas außer Lars Ulrich!

Max: Gut, ich kenn zwei, dann noch Travis Parker.

Josh: Bang! B.B. King.

Fotos: Dave Großmann