Licht und Lieder #1:
Lisa Harres

Überall gespanntes Warten. Noch zwei Stunden bis zum Preisträgerkonzert! Vertreibt euch Zeit und Lampenfieber mit unserer neuen Reihe ‚Licht und Lieder‘: Minikonzerte plus Interviews aus unserer schnuckeligen Redaktionsstube. Danke an Lisa Harres, die hier den Anfang macht!

Lisa, wie bist Du auf deinen Zupf-Stil gekommen?

Keine Ahnung, das kam einfach. Mit der Gitarre ist es irgendwie so einfach, sich mal so ins Bett zu legen und ein bisschen dran rumzuplönkeln! (lacht) Manchmal habe ich einfach eine schöne Tonfolge gefunden und die weiterentwickelt. Ich habe auch ein Lied, das ich nicht zupfe. Aber bei Akkordfolgen gibt es so viele Kombinationen, die man schon gehört hat; mit dem Zupfen hat man mehr Freiheiten, finde ich.

Also man gerät nicht in die Falle, etwas zu wiederholen, was es schon gegeben hat?

Bei mir ist es manchmal so, dass ich wirklich denke: „Ach du scheiße, das gibt’s doch schon!“ Dann frage ich alle meine Freunde: „Habt ihr die Melodie schonmal gehört?“ Wenn die sagen: „Ne, noch nicht gehört“, dann bin ich ganz froh.

Die Harmonien, die Du spielst, wirken komplex. Weißt Du beim Spielen selbst, ob Du gerade diesen oder jenen Akkord oder Wechsel spielst?

Nö.

Kannst Du es im Nachhinein herausfinden, wenn Du es dir später nochmal anhörst?

Ich hab ein paar Lieder noch mal auf dem Klavier nachgespielt, und da mir dann die Akkorde rausgehört. Auf dem Klavier klingt das dann schön voll.

Lisa, wenn Du mit jemandem kollaborieren könntest, tot oder lebendig, wer wäre das?

Es gibt eine Sängerin, die höre ich grad‘ unglaublich viel, Lou Doillon, die Tochter von Jane Birkin.

Ich kenne nur Charlotte Gainsbourg, die andere Tochter von Jane Birkin, die in Lars-von-Trier-Filmen immer die Besessene spielt. Auch eine tolle Musikerin!

Und ein Musiker, der aus Großbritannien kommt und seit ein paar Jahren in Deutschland lebt, Stephen Burch (The Great Park). Bei dem war ich schon ein paar Mal auf ganz kleinen Konzerten, in Cafés und so. Neulich habe ich mir mal so einen Soundcloud-Account eingerichtet, weil alle hier auch irgend so eine Internetseite haben. (lacht) Und dann habe ich ihn da gefunden und ihm erzählt, dass ich seine Sachen so gerne mag. Und dann hat der sich meine Sachen angehört und gefragt, ob wir mal zusammen ein Konzert in Darmstadt machen wollen oder so, und ich: „Oh mein Gott, ja!“

Super. Und wen hier auf dem Festival würdest Du dir für ein Bandprojekt aussuchen?

Das gestern war schon ziemlich cool mit der Rosa, mit der würde ich gerne was machen.

Welchen Bandnamen würdet ihr euch geben?

„Grauglitzernd“. Wir haben gestern gewettet: ich habe gesagt, dass die Wand hinter der Bühne grau ist und glitzert, sie meinte: „Nee, die ist komplett weiß“. Und sie war wirklich grau und glitzernd.

Was magst Du an kleinen Konzerten von unbekannten Musikern?

Das ist irgendwie so intim, das kommt dann noch näher an einen ran, und man hat’s noch nicht so oft gehört. Als ich angefangen hab, auf solche Konzerte zu gehen, dachte ich jedes Mal: Oh Gott, wie kann man denn solche Lieder schreiben! Und das hat mich irgendwie auch motiviert, das selber mal zu versuchen. Und irgendwie ging das dann auch. (lacht)

Hast Du vorher schon Texte geschrieben?

Ich schreibe relativ viel Lyrik auf Deutsch. Als ich mit den Liedern angefangen hab‘, dann auf Englisch.

Dein Text ist ja auch ein Gedicht, das durch sprachliche Bilder funktioniert, und nicht das typische Ich-und-Du, Mir-geht’s-so-gut, Mir-geht’s-so-schlecht. Zum Schluss noch eine Frage, die wir im letzten Interview mit dem großen Udo Jürgens gefunden haben: „Was macht für Sie ein gutes Leben aus? Anhaltende Zufriedenheit oder immer wieder kurze Momente großen Glückes?“

Oh man. Beides zusammen. Ich glaube, lieber generelle Zufriedenheit.