Liberation is a journey:
Und Gott schuf ein neues
Theater_genre

Man hörte Stimmen, die meinten, das Stück gestern Abend würde auch als Film funktionieren. Oder es sei doch kein Theater. Und was wäre die Verbindung zwischen Bühne und Film, wenn es unterschiedliche Schauspieler seien.

Das mag in bestimmter Hinsicht auch stimmen. Aber nicht bei „Liberation is a Journey“.
Denn das Stück zeigt, dass es eben auch Filme gibt, die nicht in das Format des Kinos passen. Vielleicht auch nicht ins Theater. Aber wohin dann? Ist nicht eben das Theater eines der ältesten „Medien“, die uns als Gesellschaft beeinflussen? Und es dann umzukehren und einen Film auf der Bühne abzuspielen, der nur ganz selten von musikalischen Intermezzi unterbrochen wird, die dann wirklich auf der Bühne spielen – das ist dann die wahre Huldigung einer Kunstform. Eine Auseinandersetzung mit der Form des Theaters, die von einem Tsunami überrollt wird: dem Film.

Der Film, der sich Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte und das Theater, das seit der Antike als das wirkliche Theater bezeichnet wird. Diese beiden Formen werden gegenübergestellt. Die jüngere Form, das Kind sozusagen, der Film, übernimmt die Kontrolle. Man könnte das als Metapher interpretieren. Der Schüler besiegt den Lehrer. Wir werden uns an diese Genrevermischung gewöhnen müssen. Und diese Genrevermischung ist das Faszinierendste, was in der heutigen Kunst passiert. Weil es zu einem Wandel kommt. Nicht nur in der Kunst, auch in der Gesellschaft. Die Gesellschaft versucht, sich neu zu erfinden und die Kunst spiegelt das wider.
Ich hoffe sehr, dass es nicht nur dabei bleibt, sondern dass neue Kunstformen daraus entstehen. Wie Ende des 19. Jahrhunderts der Film entstand und wie in der Antike das Theater entstand. So muss jetzt im 21. Jahrhundert die Kontinuität gewahrt bleiben.

Foto: Dave Großmann