Lesen lernen

Den eigenen Text vor Publikum zu lesen ist immer auch ein bisschen Seelenstriptease. Das zumindest hat man mir vor meiner ersten Lesung gesagt und es machte mich noch viel nervöser. Gerade in diesem Moment finden die Proben für die große Lesung heute Abend statt. Den ganzen Tag über werden die Autorinnen und Autoren mit Unterstützung der Jurymitglieder Gabriele Weingartner, Daniela Seel und Thomas Freyer ihre Texte einüben. Einige von ihnen lesen heute zum ersten Mal vor Publikum. Aber auch die Erfahreneren unter ihnen können noch dazulernen, wenn es darum geht mit Scheinwerferlicht, Mikrophon und der vielen Zuhörer den richtigen Ton zu treffen.   

Hier fünf Tipps der Jury:

  • Die richtige Körperhaltung: Eine aufrechte, offene Haltung hilft dir, laut und verständlich zu sprechen. Achte auf einen festen Stand, wippe nicht hin und her während des Lesens und überlege dir gut, wohin mit deinen Händen. Finde eine Haltung, in der du dich wohlfühlst.
  • Die Lesestimme kennenlernen: Versuche, deine eigene Lesestimme zu finden und dich nicht zu verstellen. Zeige Persönlichkeit, denn egal ob du Lyrik oder Prosa liest, du erzählst immer eine ganz eigene Geschichte.
  • Die nötige Ruhe: Alle deine Sätze sind wichtig bis zum Punkt. Lasse dir Zeit für deinen Text und arbeite mit Pausen, damit man dir besser zuhören kann. Keine Panik, wenn du dich versprichst. Fange deinen Satz dann noch einmal in Ruhe neu an.
  • Die Worte „knallen lassen“: Vertraue deinen eigenen Worten. Mache klar, was wichtig ist in deinem Text. Arbeite dazu bewusst mit Betonungen. So sind deine Zuhörer bis in die letzte Reihe ganz bei dir.
  • Und zum Schluss das Allerwichtigste: Versuche, beim Lesen Spaß zu haben. Sicher, jeder ist beim Lesen vor Publikum nervös – ein bisschen Lampenfieber gehört schließlich mit dazu. Du solltest dir davon aber nicht den Spaß am eigenen Text nehmen lassen.

Schließlich soll es heute Abend für die Lesenden nicht heißen „Augen zu und durch“. Das wird euer Abend, ermutigt die Jury alle Lesenden. Und bei vielen weicht schon in den Proben die Anspannung der Vorfreude.