„KörperPoesie“:
Wenn eine WG tanzt

Die Aufführung KörperPoesie von Side-B, Kubid e.V. aus Neuss war mehr Tanztheater, denn die Tänzer*innen offenbarten auch ihre schauspielerischen, literarischen und musikalischen Fähigkeiten. Sie wirkten mehr selbstbestimmt als bevormundet.

Das Kollektiv wird in Gruppenszenen als große Wohngemeinschaft gezeichnet, auch jede*r einzelne Tänzer*in bekommt Raum für persönliche Charakterisierungen.

Zwischen neurotischem Streben nach Perfektion, Feminismus, Gesellschaftsfragen, Outing, Einzelkampf, Freundschaft, Beziehungsunfähigkeit und „Sich Ausprobieren“ waren rhythmische Bewegungen und Gesang eingefügt. In der Gruppe, aber auch einzeln. Side-B präsentierte sich kreativ im Umgang mit und sensibel für die gegenwärtigen Fragen und Probleme von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Abgesehen von der Entwicklung der Individuen, bestimmten eingängige Impressionen den Abend. Wie die Stimme einer jungen Frau aus dem Off, welche die Performance der vier Tänzerinnen, mit Text belebt (zu Deutsch): „Ich bin nicht nur ein Arsch!“ Feministisch angehauchte Bilder sind keine Seltenheit mehr. Auch Outings, wie das eines afghanischsprechenden jungen Mannes und das nicht vorhandene Verständnis der Anderen gehören dazu.

Der Alltag der Jugend ist geprägt von Dingen, die auf die Bühne können und auch müssen. „KörperPoesie“ hat dem Publikum gezeigt, was den jungen Mensch bewegt, und wie man Tanz, Sprache und Schauspiel unter einen Hut bekommt. Oder eher unter eine Cap.


Foto: Dave Großmann