„Just listen. Apologise and improve. It costs nothing.“

Sich eigene Fehler einzugestehen ist hart. Und noch härter, wenn man sich dabei angegriffen, verunsichert oder beschämt fühlt. Schnell gerät ein Mensch in eine Verteidigungshaltung, um sich zunächst selbst zu schützen. Schnell entstehen Fronten. Aber am aller härtesten ist es für die Menschen, die einen auf die eigenen Fehler aufmerksam machen müssen, die die Harmonie brechen müssen, weil sie sich tief verletzt oder angegriffen fühlen. Die das vielleicht sogar nicht nur in Bezug auf sich selbst, sondern in Bezug auf ganze Bevölkerungsgruppen fühlen, die unterdrückt, marginalisiert, misshandelt, kolonialisiert, ermordet, diskriminiert und ohne Respekt für ihre eigene Kultur behandelt wurden und werden.

Wie kann ein Mensch mit einer solchen Situation umgehen, in der mit einer selbst vollzogenen Handlung bei einer anderen Person diese Gefühle hervorgerufen wurden?

Gerade heute habe ich ein kleines, aber sehr gutes Beispiel dazu gesehen und gelesen (siehe Titelbild). Das Bild zeigt einen Ausschnitt von Rihannas Instagram-Profil und lautet wie folgt:

 

badgalriri: „y’all are literally bout to witness why this woman right here is my spirit animal! God gifted genius! […]“

hannie.oakley: „Please stop using „spirit animal“ unless you belong to one of the indigenous groups to which this concept belongs.“

badgalriri: „@hannie.oakley you’re so right! it won’t happen again.“

 

Es kann also so einfach sein. „Du hast so Recht! Es wird nicht noch einmal passieren.“ Punkt.

Zuhören. Die Gefühle anderer akzeptieren und respektieren. Aus den eigenen Fehlern lernen und in Zukunft sensibler, rücksichtsvoller und aufmerksamer sein. Solidarität zeigen. Sich immer wieder selbst in den eigenen Strukturen und Verhaltensmustern hinterfragen. Dann sich selbst weiterbilden und aufklären. Das Wissen weitergeben. Noch mehr Wissen sammeln. Die eigenen Privilegien checken. Den Geschichten und Erfahrungen betroffener Personen und Gruppen Raum und Gehör verschaffen – und vor allem, ihnen glauben.

Dazu möchte ich die Aktivistin Munroe Bergdorf zitieren, die es meiner Meinung nach in ihrem Instagram-Post auf den Punkt bringt (deutsche Übersetzung weiter unten). Sie spricht hier zwar ein ganz konkretes Beispiel an, jedoch lassen sich ihre Worte auf alle möglichen, ähnlichen Situationen übertragen:

„Queen Rihanna demonstrating how to hold yourself accountable with humility and class. We all hold the potential to get things wrong, we all hold the potential to behave offensively unintentionally. What matters is how you react when someone calls you out on it. Do you choose to apologise and improve or do you double down and refuse to listen?

EDIT: If you’re response is „so we can’t say spirit animal now“. And if you’re frustrated that your vocabulary is being reduced by minority groups speaking up for their culture, then that shows how racially/culturally insensitive some colloquial language can be, and also far you may have to go / how oblivious you were and maybe still are to how the language you use may play into narratives of oppression. Ultimately when someone comes to you from a minority group and says „can you not do that because x“ don’t be an ass. Just listen. Apologise and improve. It costs nothing.

Educate yourself on the continued colonialism of indigenous people’s sacred land (the Amazon). The pollution of their waters (Standing Rock). The genocide of their people (Indigenous Americas). The disenfranchisement and mocking of their cultures throughout history. The rates of police brutality experienced by indigenous women is akin to that experienced by the black community. Educate yourselves and then ask yourself if you still feel so strongly about your „right“ to pick and choose what parts of their culture to appropriate. Just listen.“

Und hier die Übersetzung ins Deutsche:

„Königin Rihanna zeigt, wie man sich mit Demut und Klasse zur Verantwortung ziehen kann. Wir alle haben das Potenzial, Dinge falsch zu machen, wir alle haben das Potenzial, uns unbeabsichtigt offensiv zu verhalten. Wichtig ist, wie du reagierst, wenn dich jemand darauf aufmerksam macht. Entscheidest du dich dafür, dich zu entschuldigen und zu verbessern, oder weigerst du dich, zuzuhören?

BEARBEITET: Wenn deine Antwort „also können wir jetzt nicht [mal] Spirit Animal sagen“ ist und wenn du frustriert bist, dass dein Vokabular von Minderheitengruppen reduziert wird, die sich für ihre Kultur einsetzen, dann zeigt das, wie rassistisch/kulturell unsensibel eine Umgangssprache sein kann, und auch, wie weit du gehen musst / wie vergesslich du warst und vielleicht immer noch bist, wie die Sprache, die du benutzt, in Erzählungen von Unterdrückung mitspielen kann. Wenn letztendlich jemand aus einer Minderheit zu dir kommt und sagt: „Kannst du das nicht tun, weil x“ sei kein Arsch. Hör einfach zu. Entschuldige und verbessere dich. Es kostet nichts.

Informiere dich über den anhaltenden Kolonialismus im heiligen Land der indigenen Bevölkerung (Amazonas). Die Verschmutzung ihrer Gewässer (Standing Rock). Der Völkermord an ihrem Volk (Indigenous Americas). Die Entrechtung und Verhöhnung ihrer Kulturen im Laufe der Geschichte. Die Rate der Polizeibrutalität, die von indigenen Frauen erlebt wird, und die derjenigen der schwarzen Gemeinschaft ähnelt. Bildet euch selbst und fragt euch dann, ob ihr euch euer „Recht“, euch auszusuchen und zu entscheiden, welche Teile ihrer Kultur ihr euch aneignen wollt, immer noch so wichtig ist. Hört einfach zu.“

Munroe Bergdorf. Quellenstand online: https://www.instagram.com/p/B2tgLIgApdg/ (25.09.2019).