Irgendwann werdet ihr uns dankbar sein

Es tut sich was bei den Festspielen: Neuerdings bekommt man streng begrenzte Essensportionen aufgetan, und im Aletto müssen wir im Keller frühstücken. Bravo! Die FZ begrüßt diese Stoßrichtung ausdrücklich und unterbreitet weitere Regulierungsvorschläge für ein gesünderes, angenehmeres, besseres Festival.

Verpflichtendes Nachholangebot für ausgefallenen Schulunterricht

Kulturelle Bildung nimmt in einer Kulturnation einen wichtigen Stellenwert ein. Unter den sogenannten schönen Künsten darf jedoch keinesfalls die formelle Bildung, vor allem im wichtigeren mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich leiden. Daher muss für alle Teilnehmer*innen, die für den Besuch des Festivals Schulunterricht ausfallen lassen, ein entsprechendes verpflichtendes Nachholangebot geschaffen werden. Dieses wird in den Abendstunden nach den Stücken, also von circa neun bis elf Uhr, stattfinden. So haben Schüler*innen die Möglichkeit, Defizite in wichtigen Schulfächern zu vermeiden. Außerdem kommen sie nachts nicht auf dumme Gedanken. Dazu wird geeignetes Fachpersonal aus Berliner Schulen herangezogen. Das spielende Ensemble ist vom Nachholangebot befreit, allerdings nur, wenn sich keine Oberstufenschüler*innen darunter befinden. Da geht das Abi natürlich vor.

Smartphoneverbot auf dem Festival

Zahllose Studien belegen: Permanente Smartphonenutzung verringert die Aufmerksamkeitsspanne und steht dem Lernen im Weg.  Die permanente Selbstoptimierungs- und Selbstinszenierungssucht setzt die jungen Menschen außerdem hohem sozialen Druck aus. Internetsucht ist eine wachsende Gefahr bei der jungen Generation. Deshalb gehen viele Schulen bundesweit mit gutem Beispiel voran und setzen dem Smartphone-Terror effektiv Grenzen. Jetzt müssen auch Kulturinstitutionen nachziehen. Smartphoneverbot auf dem Gelände, komplett, für alle Menschen unter vierzig! Wer auf das Gelände will, gibt sein Smartphone ab, das bei der Gelegenheit auch gleich auf jugendgefährende Inhalte überprüft werden kann. Wenn es zu privat wird, scrollen die Mitarbeiter*innen natürlich schnell weiter! Wenn sie zum Stück gehören, dürfen Smartphone-Attrappen aus Pappe verwendet werden. Diese sind jedoch unter Angabe der Passnummer und Strafregisterauszugmindestens drei Monate im Vorhinein zu registrieren.

Zuckerhaltige Getränke: Konsum einschränken!

Zuckerkonsum zählt weltweit zu den bedeutendsten Gesundheitsrisiken. Also muss der Konsum zuckerhaltiger Getränke reguliert werden. Das tägliche Kontingent (eine Limonade oder ein 0,2-Glas Cola) kann nur abgerufen werden, wenn das tägliche Wasser-Mindestpensum (3l) bereits unter den Augen des Personals konsumiert und dabei nicht gemeckert wurde. Gleiches gilt für gezuckerten Kaffee, Tee und so weiter.

Koffeeinmissbrauch verhindern

Überhöhter Koffeinkonsum beeinträchtigt die Qualität der Nachtruhe und das Herz-Kreislauf-System. Zudem wirkt es sich auf das Ruhebedürfnis älterer Hotelgäste aus, wenn zappelige, minderjährige, mit Wachmacher vollgepumpte Koffein-Rabauk*innen um 23:30 immer noch nicht im Bett sind. Also: Kaffee nur für Volljährige und nicht nach 16 Uhr! Der Konsum darf ferner nur in moderaten Mengen (zwei Tassen am Tag) und nach einem entsprechenden Altersnachweis erfolgen.

Toilettengänge – Ordnung und Sauberkeit

Toiletten sind ein Ort der hygienischen Notwendigkeit. Ihr sachlicher Charakter verträgt sich nicht mit Zerstreuung oder Vergnügung jeder Art. Entsprechend muss der Zugang dazu gewissen gesellschaftlichen Mindeststandards entsprechen. Aus sittlichen Gründen haben Toilettengänge stets einzeln zu erfolgen. Weiterhin muss ein*e Mitarbeiter*in feststellen, dass durch den oder die Toilettenkandidat*in kein verbotener Gegenstand mitgeführt wird (vgl. BeFeToiOrd, §6). Die Anzahl Toilettengänge ist verbindlich auf drei am Tag limitiert und nicht übertragbar. Und auf gar keinen Fall darf das festspieleigene Klopapier mit Berliner Festspiele-Logo entwendet werden!

BeFeToiOrd, §6, Liste Verbotener Gegenstände (Auszug)

Es ist dem*r Toilettenkandidat*in verboten, folgende Gegenstände mit sich zu führen:

– Smartphone

– Zeitung (Ausnahme: FZ)

– Bücher (Romane, Fotobände, Fachliteratur, religiöse Texte, antike Schriftrollen, Kartenmaterial, Möbiusbände, alles schon vorgekommen)

– Speisen und Getränke (insb. Mehl- und Milchspeisen, Alkoholika, Apfelsaft)

– Elektronische oder nichtelektronische Geräte mit nicht-sittlicher Zielsetzung

Kleiderordnung

Innerliche Flexibilität und Kreativität kann nur bei äußerlicher Ruhe realisiert werden. Entsprechend muss das Theaterumfeld auch optisch befriedet werden. Die auf dem Festivalgelände getragene Kleidung sollte ausschließlich in den CI-Farben der Festspiele, Rot und Weiß, gehalten werden, und sich ausschließlich an klassischen Schnitten orientieren. Langfristig sollte diese Empfehlung zu einer festen Kleiderordnung mit Uniformcharakter (roter Hosenanzug mit weißem Hemd oder Bluse plus roter Krawatte/Halstuch für alle) ausgebaut werden. Auf der Bühne herrscht ja schon genug optisches Chaos.

Dokumentationspflicht für Workshops

Die qualitativ hochwertigen Workshops dürfen nicht zur Berieselungsveranstaltung verkommen. Daher muss eine Dokumentationspflicht für Workshops eingeführt werden. Alle Teilnehmer*innen sollte im Anschluss einen Workshop-Bericht einreichen müssen. Dieser umfasst drei DIN-A4 Seiten (einfacher Zeilenabstand, TNR, 12p) und ist gegliedert in die Kapitel 1) Einleitung mit Motivation und Zielsetzung, 2) sachliche Analyse und Beschreibung des Workshops und 3) Bewertung im Hinblick auf Motivation und Zielsetzung. Die Berichte können entweder einzeln oder gesammelt bis spätestens zum 3. Juni eingereicht werden. Wer die Deadline reißt, muss nächstes Jahr wiederkommen!

Verpflichtender FZ-Konsum

Junge Menschen neigen dazu, den Nutzen eines Qualitätsmediums wie der vorliegenden Zeitung systematisch zu unterschätzen. Daher sollte der FZ-Konsum erstens auf verpflichtende zwei Stunden pro Tag festgelegt werden und zweitens durch regelmäßige unangekündigte Tests überprüft werden. Wer durchfällt, muss eine FZ-Ausgabe des vorigen Jahres mit Kreide abschreiben und darf nicht über die Witze lachen. Außerdem wird eine pauschale Kulturabgabe von 13,99 Euro pro Hotelzimmer und/oder Kraftfahrzeug erhoben, da die FZ theoretisch auch im Hotel oder Fahrzeug konsumiert werden könnte. Die Abgabe erfolgt unabhängig davon, ob tatsächlich FZ-Konsum im Hotel oder Fahrzeug vorliegt. Die Abgabe sichert die Finanzierung der FZ für die digitale Zukunft (Macbooks für alle, Teambuilding in Ibiza).

Alkohol

Alkohol kann – gerade in Deutschland – als bedeutendes Kulturgut angesehen werden. Ein verantwortungsvoller Umgang ist jedoch unbedingt notwendig. Daher darf der oder die Teilnehmer*in alkoholische Getränke nur dann konsumieren, wenn die Anonymen Alkoholiker seines*ihres Wohnortes seinen*ihren Namen nicht kennen. Ansonsten – ran an die Inspiration!