Interview:
Solos for Supper mit
JEREMIAS

Die Blogredaktion im Interview mit Jeremias.

Vorab: Möchtest du ein Statement machen? Über dich, deine Musik, was du willst, was du nicht willst, was du bist, was du nicht bist. Alles, was dir gerade durch den Kopf geht.
Die Menschen sollten sich liebhaben.

Was beschäftigt dich derzeit? Gibt es ein Thema, das immer wieder zu dir zurückkommt?
Ich glaube, alle 17/18/19-Jährigen haben so das dicke Thema „Zukunft“. Ich glaube, das ist auch das ganze Leben allgegenwärtig. Aber gerade in dieser Phase ist halt die Frage „Pusht man sich jetzt fürs Abi? Oder genießt man das hier?“. Das ist sowieso die Frage. Aber jede*r sagt einem, dass Musik keine Lösung ist, obwohl man Musik mit Abstand am besten kann, das richtig fühlt und das die Leidenschaft schlechthin ist, und so ein enthusiastisches, fast schon krankes Feuer dahinter steckt, das machen zu müssen. Und das ist so der Struggle. Das kehrt immer wieder zurück. Und dann zu sagen „Okay, was willst du eigentlich?Finanziell abgesichert sein, ne Family haben…?“ —  Obwohl ich gar nicht so lange vorschaue. Das ist jedoch allgegenwärtig. Die Angst vor dem, was noch so kommt.

Generell, was inspiriert dich?
Mich inspiriert — was, glaub ich, nicht viele inspiriert — die deutsche Sprache an sich. Also, der Inhalt ist wichtig, aber ich kann auch ganz gut damit leben, wenn ein Wort einfach nur schön klingt. Zum Beispiel „Gewalt“ klingt schön, finde ich.

Gewalt?
„Gewalt“ ist ein schönes Wort, finde ich. Oder „Ästhetik“ ist auch schön.

Was ist zum Beispiel nicht schön? Also, ein hässliches Wort, das du vermeiden willst?
Liebe. Liebe ist hässlich.

 

Hast du einen Arbeitsprozess?
Nein, ich hab keinen Prozess.  Oft haben meine Songs auch kein richtiges Thema. Bei „Träume“ zum Beispiel kann ich sagen, dass es darum geht, dass man irgendwie weg ist. Aber ein Song entsteht bei mir selten an einem Tag, weil ich mir sehr viele Gedanken darüber mache. Dann kommen da über einen Monat oder so Gefühle, Gedanken und einfach nur so… Wörter rein.

Was erhoffst du dir vom Treffen junge Musik-Szene?
Ich erhoffe mir einfach, eine schöne Zeit zu verbringen und ein bisschen Reichweite zu gewinnen und Leute kennenzulernen. Das Treffen soll ja im Prinzip eine Plattform sein und genau das erwarte ich auch. Und ich mag Berlin, ich finde die Stadt inspirierend.

Ist es für dich das erste Mal, dass du mit so vielen anderen Musiker*innen zusammentriffst?
Nee, meine ganzen Freund*innen sind Musiker*innen. In Hannover jamme ich oft in der Glocke mit nochmal doppelt so vielen Leuten wie gestern hier. So gesehen ist es für mich nichts Neues.

Hast du ein Anti-Vorbild?
Ja! 187 Strassenbande. Und Tim Bendzko, der keine Noten lesen kann. Sowas mag ich gar nicht.

(lachend) Das ist dein einziges Problem? Dass er keine Noten lesen kann?
Ja, ich weiß nicht… Ja, eigentlich schon! Irgendwie stört mich, dass er Musiker ist und keine Noten lesen kann.

Dir fehlt die akademische Ausbildung dahinter?
Ja. Vor allem, weil ich auch so aufgewachsen bin. Ich war im Knabenchor und spiel Cello, klassisch im Orchester und da musst du halt Noten lesen können. Also, ich bin absolut Fan von jammen und fühlen und aufs Herz hören, aber dann find ich wiederum geil, das dann analysieren zu können: „Ok, was hab ich da eigentlich gespielt?“. Und wenn Tim Bendzko in einem Interview stolz erzählt, dass er keine Noten lesen kann, find ich das einfach scheiße. Und 187, weil’s einfach schlechte Musik ist. Das ist echt nicht gut.

Gibt es etwas, das du gerne noch sagen würdest?
Ich hab eigentlich ne Band. Also, ich spiel noch mit drei anderen Leuten zusammen und normalerweise wären die jetzt auch hier, aber als ich den Song eingereicht hab, war’s noch nicht so sicher. Aber sonst spiel ich mit der Band zusammen und wir wollen das auch weiterhin machen. Ich mag diese Singer/Songwriter-Nische nicht, versteht ihr? Da ist man gleich son Typ mit Gitarre und einer von vielen, auch deutsch, melancholisch… Und mit den Jungs ist es nicht mehr Singer/Songwriter.

Findest du es trotzdem auch alleine gut hier?

Oh ja. Es ist verdammt cool hier, wirklich.