Interview:
„On tradition:
the young generation“

Vertreter*innen der Blogredaktion trafen sich mit Nora, Paula und Joscha von der tjg. theaterakademie , um über ihre Inszenierung On tradition: the young generation zu sprechen.

Redaktion: Die erste frage richtet sich an Nora und Paula: Was  bedeutet Tradition für euch oder welche Bedeutung hat sie in eurem Leben?
Paula: Traditionen sind bei mir vorrangig Dinge, die positiv bedacht werden, und nichts was mich einengt. Ich hatte in meiner Familie noch nie das Gefühl, dass ich Dinge die ich mag, nicht tun zu können, nur weil eine Tradition mich da einschränkt. Den eigentlichen Charakter von Tradition habe ich glaube ich noch nie kennengelernt.
Nora: Ja, da schließe ich mich eigentlich an, es sind eher so Kleinigkeiten, die von Generation zu Generation vermittelt worden sind. Das sind Lebensgefühle und Einstellungen die man so mitbekommt. Der eine Teil meiner Familie ist sehr musikalisch und der andere sportlich, und wir als Kinder bekommen beides mit. Ich glaube das ist auch das, was Tradition für mich ist, dass man vieles von seinen Eltern aufgreift

Was hat euch dazu bewegt, an diesem Projekt teilzunehmen?
Nora: Was mich letzten Endes zur Teilnahme bewegt hat war, dass es das Projekt gab und das Interesse zur Tradition, auch wenn ich damals noch nicht wirklich wusste, was das für mich ist.
Paula: Ich fand spannend festzustellen, was Tradition eigentlich ist, wie fühlt die sich an und wie kann ich das Gefühl, was ich nur innerlich in meinem Körper hab, wieder nach außen geben.
Joscha: Ich bin auf das Projekt durch meine Mutter gekommen, sie hatte Kontakt zu jemandem von der „tjg. Theaterakademie“. Und da ich auch schon 2 ½ Jahre Tanzerfahrung mit Breakdance hatte, hatte ich  Lust sowas in die Richtung mal zu auszuprobieren.

Wie waren die Film- und Tanzerarbeitungen miteinander verbunden?
Nora: Miteinander haben wir eigentlich relativ wenig gearbeitet. Wir hatten ein Treffen, wo von beiden Projekten Leute dabei waren, also ein Kennenlernworkshop um grobe Dinge über das Stück zu erfahren. Jo (Jo Parkes: Konzept und Choreographie) ist dann ein paar Wochen später mit den fertigen Videos angekommen. Danach haben wir das ganze Stück darauf aufgebaut.
Paula: Die Videoleute hatten immer die Möglichkeit, bei den Proben dabei zu sein, um zu sehen was aus ihrem Videomaterial entsteht. Aber das wäre auch irgendwann langweilig geworden.

Im Programmheft habe ich gelesen, dass ihr eigentlich ein anderes Bühnenkonzept habt. Wie war es für euch, hier zu performen?
Nora: Was mir aufgefallen ist, dass die Inszenierung durch den Raum eine total andere Wirkung hatte. Der Raum damals hieß Generator, das war ein ähnlicher Container wie auch in den Videos. In den hatten wir statt den vier Bildschirmen, vierzig sehr kleine eingebaut. Es war auch ein sehr steriler, weißer Raum in dem das getanzte auch noch mehr Klarheit hatte.
Paula: Es war auch eine andere Geräuschkulisse. Der Raum war viel hellhöriger und feinfühliger. Wir mussten hier erstmals lernen damit umzugehen und die Zuschauer wieder in den Raum zurückzuholen, von den Videos weg.
Nora: Der Tanz hatte dadurch auch eine ganz andere Wirkung. Wir mussten viel größer tanzen, als das im Ursprungsraum nötig war.
Joscha: Meiner Meinung nach ist der Tanz hier etwas untergangen. Die Videos standen sehr viel mehr im Fokus als der Tanz.

Die nächste Frage richtet sich an Joscha: Wie ist das für dich, so viel auf dem Video von sich preiszugeben?
Joscha: Es ist schon ein bisschen komisch. Aber an sich ist es eine coole Sache. Man ist schon stolz drauf, dass man sieht ,was man dort gemacht hat.

Ihr hattet sehr viele Details auch in euren Kostümen. Warum war euch die dadurch gegebene Verbindung zu den Filmen besonders wichtig?
Paula: Es war eine sehr persönliche, intime Atmosphäre, es ist ein kleiner geschützter Raum. Die Videos und Geschichten sind dadurch auch geschützt. Es ging darum, viele Details zu entdecken und widerzuspiegeln. Der Raum ist so klein, man ist so nah dran und braucht diese kleinen Elemente, an denen man sich langhageln kann. So muss man immer wieder die Verbindung zu den Videos schaffen.