„Was empfindet das Publikum,
wenn ich mich
auf der Bühne bewege?“

Livia und Maren verschanzten sich mit Annette und Babette zu einem strenge geheimen Workshop für Frontsängerinnen. Die beiden performten zu unbekannten und eigenen Songs und erhielten Tipps, um auf der Bühne präsenter zu werden und die Musik besser verkörpern zu können. Die Blockredaktion hat im Anschluss mit Annette Marquard gesprochen.

Bei der „Spiegel“-Übung werden die Bewegungen einer Sängerin von allen anderen nachgemacht. Wie wichtig ist diese Übung für Frontsänger/-innen?
Viele Sänger/-innen, die anfangen auf der Bühne zu stehen, wissen überhaupt noch nicht, welche Position sie einnehmen sollen und dass sie diese auch selbst genießen können. Auf der Bühne muss man sich körperlich von dem Publikum abgrenzen. Ich glaube, dass die beiden verstanden haben, dass sie ernster genommen werden, wenn sie sich in ihrer Rolle wohl fühlen und es ihnen Spaß macht. Bei dieser Übung siehst du ja direkt, wie du gerade auf deine Zuschauer wirkst. Plötzlich denkt man: „Ach du liebe Güte, wie steh ich denn da? Ich mach ja immer das gleiche Gesicht!“. Irgendwann kommt der Ehrgeiz, das zu ändern und über diesen Ehrgeiz kommt der Spaß.

Zitat Maren: „ Das war jetzt aber gar nicht ich.“
Maren ist auch nachher rausgegangen und hat gesagt, sie fühle sich irgendwie befreit. Das ist das Ziel, dass du an dem, was du auf der Bühne tust, auch Spaß hast. Sänger/-innen haben die größte Aufgabe in der Band. Sie müssen gleichzeitig Animation fürs Publikum sein, die Band pushen, den Text können und singen. Als Sänger/-in lastet eine große Verantwortung auf deinen Schultern. Wenn du dich und deine Schultern nicht präsentierst, wirst du angreifbar. Das Publikum zieht dich mit Blicken an und aus. Du wirst unsicher.

Gilt das nur für Sänger/-innen?
Auch wenn du ein Instrument in der Hand hast und auf der Bühne stehst, geht es um Körpersprache. Was denkt man denn, wenn jemand wie eine durchhängende Marionette und ohne Gesichtsausdruck vor einem steht? Je mehr Spannung alle auf der Bühne haben, desto besser spielen sie zusammen. Die Band kann sich besser konzentrieren und es wird leichter, als Person in den Fokus zu kommen. Auch im Alltag ist eine gesunde und aufrechte Grundspannung wichtig. Wenn du selbstsicher vor deinen Mitmenschen stehst, wirst du ernster genommen, als wenn du schon in deiner Haltung Verletzlichkeit vermittelst.

Gab es Situationen, die dir selbst gezeigt haben, wie wichtig dein eigenes Auftreten ist?
Ich habe früher regelmäßig zusammen mit einem Pianisten  in einer Hotel-Bar Jazz-Musik gespielt. Vor einem Auftritt hatten wir auf der Hinfahrt Streit und ich hatte schlechte Laune. Auf der Bühne muss ich dann einen wohl eher bösen Gesichtsausdruck gehabt haben. Ein Stammgast kam in der Pause auf mich zu und fragte, ob ich denn keinen Spaß beim Musizieren hätte. Nach dieser Frage wurde mir klar, dass ich den Alltag und die Musik auf der Bühne trennen muss. Als ich die Hauptrolle in einer Theaterproduktion spielen durfte und viele singen und sprechen musste, nahm ich mein eigenes Auftreten noch mehr war. Gerade als Schauspieler braucht man eine Grundspannung, die bis in die letzte Reihe wahrgenommen werden muss.

Foto: Leonard Ottolien