Immer spielt ihr und scherzt! –
Sie spielen und scherzen!

Während 2008 Götz George und Tom Schilling für die Verfilmung von Taboris Mein Kampf in Wien, Zittau und Liberec vor der Kamera stehen, beschließen in Schwerin elf Jungs, drei Mädchen und eine Impulsgeberin (genannt: Spielleiterin), den Stoff auf die Bühne zu bringen.
Die Theatergruppe am Goethe-Gymnasium Schwerin arbeitet mit dem Text. Rollen werden aufgesplittet und zusammengeschmolzen, Szenen werden umgeschrieben, um den Schwerpunkt zu verschieben. Und: „Wir haben es witziger gemacht als Tabori!“ Aber nur an einer Stelle. Denn eigentlich wollen sie ihr Publikum zum Nachdenken anregen. Und zum Verstehen. „Wir wollen keine Fragen beantworten, wir wollen welche stellen.“

Am Anfang hat ihre Spielleiterin die Fragen gestellt. Über die hat sich das Ensemble der Thematik angenähert. Die Spieler haben gemeinsam Ideen entwickelt und sie schließlich umgesetzt.
Für sie ist es vor allem ein exemplarisches Stück: „Jeder ist manchmal ein Hitler und manchmal ein Shlomo.“ Es geht um Opfer-Täter-Konstellationen, um Gewalt.

Den Titel haben sie aus strategischen Gründen geändert, schließlich soll ja nicht die Schweriner NPD im Publikum sitzen. Deswegen heißt das Stück jetzt: Immer spielt ihr und scherzt! Kampf in fünf Runden. Polizei war trotzdem bei den Aufführungen zu Hause dabei. Man kann ja nie wissen.

Das ttj finden sie jedenfalls toll: Tolle Leute, tolle Workshops, tolles Essen. Allerdings sollte es nicht eine Woche ttj sein, sondern ein Jahr. Und Hängematten wären schön. Die könnte man dann im Info-Zelt ausleihen.

Und was ist in Schwerin so los? Eigentlich nichts. Deswegen ist Schwerin nicht nur größtes Landeshauptdorf der Bundesrepublik, Beamtenstadt und BuGa-Stätte, sondern Selbstmach-Stadt – wenn man etwas will, muss man es selber machen. Zum Beispiel Theater.

Deswegen wälzen die Spieler von TaGGS jetzt Hemden im Bühnenstaub und binden Gummibärchen an Strippen. Sie hängen Wäscheleinen auf und stürzen von Gerüsten – sie freuen sich auf heute Abend.

Vielleicht wollen sie ja deswegen auch ein Jahr ttj: Wabe-City ist eben einfach cooler als Sieben-Seen-Aber-Nur-Eine-Lesebühne-Schwerin. Und: Wer da mit 25 nicht raus ist, kommt nie aus der Stadt. Sagen sie. Höchstens einmal im Jahr nach Berlin. Zum ttj. Das ist ja auch schon was.