Im Interview: Julian Staniewski

Leider war die Blogredaktion kurz unaufmerksam und hat einen Teil des Elektroduos von Keanu Fresen und Julian Staniewski vorzeitig vom Festival entwischen lassen, ohne sie zusammen interviewt zu haben. Deshalb haben wir heute noch einmal nur mit Julian gesprochen.

Hallo Julian! Vielleicht fangen wir einfach mit der Frage an, wie das mit euch beiden seinen Anfang genommen hat. Wie kommt es, dass du und Keanu zusammen Musik macht?

Den ursprünglichen Anfang hat alles vor vielen Jahren genommen. Keanu und ich waren in derselben Schule und haben so mit elf, zwölf einmal versucht, eine Schülerband zu gründen, die sich dann aber nach zwei Tagen wieder auseinandergelebt hat. Die hatte noch nicht einmal einen Namen. Danach hatten wir eigentlich nicht viel miteinander zu tun und sind erst vor ein paar Monaten wieder ins Reden gekommen – da haben wir dann festgestellt, dass wir recht ähnliche musikalische Interessen haben und haben uns vorgenommen, gemeinsam produktiv zu werden. Eigentlich wollten wir uns bei unserem ersten Treffen nur austauschen, dann haben wir aber mit einem Gitarrenriff gestartet, darauf aufgebaut und am Ende des Tages war dann plötzlich unser erster Song fertig. Das war “Clockwork” und damit auch gleich der Song, den wir eingesendet haben.

Wie ging es dann weiter?

Wir haben uns über diese Einsendung gar nicht so viele Gedanken gemacht, unsere Lehrerin hatte uns das empfohlen. Wir hatten eigentlich zwei Monate lang gar nicht daran gedacht, bis dann die E-Mail kam, dass wir gewonnen hatten. Das war ein ziemlicher Überraschungsmoment, auf der einen Seite natürlich cool, auf der anderen Seite dachten wir aber auch: Wie zur Hölle schaffen wir es, einen Song, der auf unserem Computer aus zwanzig Spuren besteht, live und zu zweit auf einer Bühne zu performen?

Und wie habt ihr diese Herausforderung gemeistert?

Unsere erste Idee war, dass wir einen Backing Track machen, aber das war dann schnell zu langweilig, deswegen haben wir dann diesen Backing Track so aufgeteilt, dass wir ihn auf ein Launchpad gelegt haben. Das war dann aber auch noch ein bisschen langweilig, wenn man nur auf Knöpfe drückt und dazu ein bisschen singt. Deshalb haben wir dann versucht, einzelne Elemente aus unserem Stück, wie zum Beispiel Synthesizer oder Gitarre live zu performen – von daher standen wir dann am Ende in diesem großen Set, weil wir gemerkt haben, dass wir dafür unter anderem vier Keyboards brauchen.

Noch mal kurz zurück zum Anfang. Es gibt euch also noch gar nicht so lange.

Vier Monate, genau.

Und habt ihr nach “Clockwork” auch noch andere Songs aufgenommen?

Wir haben jetzt glaube ich nahezu 14 Songs fertig, und bald soll dann unser erstes Album, “Read Me”, herauskommen.

Wie läuft dabei dann euer Songwriting-Prozess ab?

Wir arbeiten nicht so konzeptionell, dass wir am Anfang bereits die Idee eines Songs haben und diese nur ausführen, sondern starten meistens mit einer Idee, zum Beispiel einem Riff, auf die wir dann aufbauen. Thematisch arbeiten wir aber schon sehr konzeptionell – unser Album beispielsweise handelt eigentlich von einer Stadt, und in jedem Song liegt dann der Fokus zum Beispiel auf einer Person oder einem Ort in dieser Stadt. Im Songwriting-Prozess fangen wir dann an mit einer Idee zu dieser Person und entwickeln dann ein Thema oder Riff, auf das wir dann progressiv aufbauen.

Und wie ist es jetzt so ohne Keanu?

Ja, er hat natürlich auch sein ganzes Equipment mitgenommen, deshalb stehe ich jetzt hier quasi nackt mit meiner Gitarre. Das heißt, dass ich heute abend beim Abschlusskonzert wahrscheinlich darauf einen Song vorspielen werde, an dem ich gerade arbeite.

Habt ihr Musikgruppen, an denen ihr euch orientiert?

Tatsächlich eher weniger, wir haben nicht gesagt “lass mal etwas machen wie”, sondern haben erst gemacht und dann Rückmeldung bekommen wie “das klingt ja wie Kraftwerk” oder “ihr klingt ja wie Fewjar”. Wir wurden auch schon mit Gorillaz verglichen.

Und was hört ihr privat für Musik?

Tatsächlich bin ich weniger der Elektrotyp, jetzt natürlich durch die eigene Musik mehr, aber privat höre ich eher Jazz. Und wenn ich auf der Gitarre spiele, geht das auch eher in diese Richtung.

Noch eine Frage: Ist euer Name (Keanu Fresen und Julian Staniewski) so final?

Ja, das ist das Ding: Es gibt uns so frisch, dass wir noch keinen richtigen Namen als Duo haben. Unsere beiden Namen aneinander sind wirklich superlang, deshalb werden wir mal brainstormen und uns dann festlegen. Es gibt auch schon ein paar Ideen, die uns ganz gut gefallen. Wir möchten uns aber auch Zeit lassen und uns nicht den erstbesten Namen geben, wir wollen etwas, was in unser Musikkonzept passt und uns auch langfristig gefällt.

Julians und Keanus Album “Read Me” wird in den nächsten Monaten auf Spotify erscheinen, dort wird man dann auch sehen können, für welchen Namen sie sich letztendlich entschieden haben. Stay tuned!

Foto: Dave Großmann