Ich weiß nicht, wie der geht.

Nach der Ankunft lernen die Preisträger/-innen das Festspielhaus, die Jury und sich gegenseitig in einem kleinen Rundgang kennen. Gleich danach gibt’s die erste Aufgabe: Ein anderer, noch unbekannter Preisträger-Songtext soll im eigenen Stil vertont und nach nur etwas mehr als einer Stunde auf der Seitenbühne in einem gemeinsamen Konzert performt werden.

Im Gespräch mit den Teilnehmer/-innen über Schwierigkeiten und Chancen einer solchen Aufgabe.

Was ist euch positiv aufgefallen?
Platin Projekt:
Alle waren bei der Sache. Bei der Probe ist der eine normalerweise da und der andere ist dort.

Macimilian (Shaky Foundation) bei der Probe Foto: Antonino Polizzi Wie seid ihr vorgegangen?
Marie Diot:
Ich hatte eine Idee von einem alten Instrumentalpart, den ich mal geschrieben habe. Ich hatte auch mal einen Text dafür, aber der war voll blöd. Dann habe ich geschaut, ob der neue Text passt, und das hat auch super funktioniert. Außer bei der zweiten Strophe. Die war nämlich nur halb so lang wie die erste. Das passte überhaupt nicht in mein Muster, und da musste ich das ein bisschen abändern.

Cathy:
Einfach mal Augen zu und gucken, was rauskommt.

Ole Riebesell:
Ich habe mir erst ein paar Akkorde rausgesucht. Einige Standardmuster, die ich hintereinander gesetzt habe. Habe geschaut, was ich damit machen kann. Dann habe ich ein paar Worte gestrichen, weil es mir singtechnisch etwas einfacher fiel. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sich der Song ganz schnell an mich angepasst hat. Jeder hat ja seinen eigenen Stil, Musik zu machen. Ein paar Elemente, die man manchmal benutzt bleiben irgendwie gleich. Auch wenn man versucht, aus dem Song was ganz anderes zu machen.

Rockfish bei der Probe Foto: Antonino Polizzi Welche Probleme gab es?
Freund von Anton:
Ich hatte wenige Probleme. Mein Song hatte einen relativ klassischen Aufbau. Dementsprechend lief es sehr flauschig.

Shaky Foundation:
Normalerweise ist uns die Melodie am wichtigsten. Der Text bleibt bis zum Schluss offen, sodass man sich alle Möglichkeiten offen halten kann. Erst wenn die Melodie steht, versuchen wir, den Text anzupassen.
Der Text ist ja eigentlich auch nur eine zusätzliche Form von Melodie, die den Song schöner machen soll.
Es soll nicht klingen, als würde ein Gedicht vertont werden. Der Text soll nicht so gesungen werden, nur weil er so geschrieben wurde. Das war hier sehr schwierig. Das beste Beispiel ist Sigor Ros. Die Band hat eine völlig eigene Sprache erfunden, die einfach perfekt zu ihrer Musik passt. Man versteht zwar kein Wort, aber es hört sich schön an. Und das ist auch das Wichtigste.

Cathy dreht am Rad (und geht richtig ab) Foto: Antonino Polizzi Gab es eine „Sprachbarriere“?
The Ow’s (singen eigentlich auf Englisch):
Es ist sehr ungewöhnlich, wenn man immer Englisch singt und dann einen deutschen Text bekommt. Und dann einen, der nicht einfach zu singen ist. Zwischen den einzelnen Reimwörtern kommt viel Text, sodass man die Worte schnell aneinander hängen muss. Das ist etwas, das wir bisher noch nie gemacht haben. Wir haben eigentlich nie besonders viel Text, sodass sehr viel Zeit für den Gesang bleibt.

Jonny Bix Bongers (singt eigentlich auf Deutsch):
Ich hatte mal ein TH-Problem, aber ich glaube, das ist jetzt wieder weg. Aber eigentlich war es kein Problem. Auf eine Art ist es einfacher im Englischen zu singen. Ich weiß gar nicht warum. Eigentlich mache ich gar keine englische Musik, aber ich glaube, man ist sehr daran gewöhnt. Die Sprache ist an sich auch melodischer als das Deutsche. Im Deutschen muss man eher auf die Suche nach Wörtern gehen, die klingen.

Shaky Foundation Foto: Antonino Polizzi Habt ihr versucht (soweit bekannt), den Stil der Originalinterpret/-innen  oder einen ersten Eindruck davon, wie diese Musik machen könnten, einfließen zu lassen?
Cathy:
Ich weiß, dass der andere Song Richtung Sprechgesang geht, aber ich hab schon versucht, ihn an mich anzupassen. Text raus zu streichen, weil es sehr viel Text war. Auch die Strophenabfolge habe ich ein bisschen geändert.

Shaky Foundation:
Wir kennen den Musiker nicht, der den Song geschrieben hat. Wir wissen auch nicht, wie der Song im Original klingt. Deswegen blieb das alles außen vor. Wir haben versucht, unseren eigenen Stil einzubringen, aber wir sind eine Band, die viel Zeit braucht, um einen Song zu schreiben. Eigentlich machen wir viel mit Computern und Synthesizern. Das war in der kurzen Zeit nicht möglich. So mussten wir Abstriche machen. Wir haben es aber geschafft, unseren Stil mit eingeschränkten Möglichkeiten umzusetzen.

Ole Riebesell:
Ich hab versucht, in den Song auch das Bild einfließen zu lassen, das ich bis dahin von ihm hatte.

Simon Benjamin:
Ich kenne die Band zwar und weiß auch, wie sie Musik macht. Aber daran habe ich mich überhaupt nicht orientiert. Den Song kenne ich selbst auch nicht. Als Singer-Songwriter kann ich auch gar nicht so ähnlich spielen, wie die Band. Also musste ich dem komplett ausweichen und habe was ganz anderes gemacht.

Simon Benjamin Foto: Antonino Polizzi Habt ihr versucht, eine Message in den Songtexten zu finden und diese umzusetzen?
Platin Projekt:
Wir glauben, dass der Song eine Ballade ist. In ihm liegt aber eine besondere Wut, die wir versucht haben, in unserem eigenen Stil auszudrücken.

Livia (Maha Tribe) nach dem Power Slide Foto: Antonino Polizzi Habt ihr bereits bestehende Harmonien aus eigenen Songs oder Songs anderer Interpret/-innen verwendet?
The Fläsh:
Die Riff-Idee hatte Lars sogar schon vorher. Dann haben wir einfach drauf los geschrieben. So, wie wir das immer machen. Es sind immer Einflüsse von überall dabei, aber nicht bewusst.

Maha Tribe:
Wir haben ein, zwei kleine Bausteine aus der Schublade geholt, z.B. die Baseline.

Ole Riebesell Foto: Antonino Polizzi Habt ihr Ideen für neue Songs bekommen?
Rockfish:
Vielleicht verwenden wir die Gesangsmelodie aus dem Refrain. Die kommt bei uns in ein Register rein. Wenn wir neue Ideen haben, und das passt zufällig, dann arbeiten wir weiter daran.

Maha Tribe:
Beim ersten Jam dachten wir uns, das legen wir für unsere eigenen Songs zur Seite, weil es vom Gesang her nicht zum Text passte.

Glaubst du – als Solist -, dass es einfacher ist, eine solche Aufgabe alleine zu bewältigen?
Simon Benjamin:
Alleine ist man einfach flexibler. In der kurzen Zeit konnte ich meinen eigenen Weg verfolgen. Wenn mir etwas nicht gepasst hat, habe ich es einfach verworfen, ohne großartig darüber nachzudenken.

Jonny Bix Bongers:
Ja, auf jeden Fall. Man muss weniger Kompromisse eingehen.

Redaktionsschluss.
Gute Nacht!

Fotos: Georg N. Schmitt