Hold that pose for me

Ich wundere mich ja manchmal. Zum Beispiel ist mir gestern im Voguing-Workshop aufgefallen, wie viele Arme ich habe. Und Beine. Und Finger. Und dass es gefühlt immer noch mehr Gliedmaßen werden, wenn ich sie gleichzeitig bewegen soll. Außerdem gibt es auf der Oberseite meines Unterarms einen Muskel, den ich noch nie bewusst wahrgenommen habe. Gestern dann schon, er hat nämlich nach den vielen Übungen mit den hands und wrists gestreikt. Wenn ich jetzt beim Schreiben gedankenverloren meinen Kopf aufstütze, meldet er sich wieder mit leichtem Ziehen. „Genießt den Schmerz“, hat die Workshopleiterin Georgina Philp gestern gesagt, „einfach drüberarbeiten.“
Mein Körper war nach den zweieinhalb Stunden umgeben von imaginären lines, entlang derer illusions mit Händen und Armen performt werden können. Rainy fingers oder ´round the earth. And pose. And pose. And pose. Dann war da noch die Catwalk-Challenge, bei der es vor allem auf die attitude ankam. Das Rangfoyer verwandelte sich in einen Ballroom, Diven wurden geboren und ich war immer noch verwirrt von meinen vielen Händen. Aber habe dabei nicht vergessen, mein face zu framen, denn it´s all about the expression. Diese expression war bemerkenswerterweise selbst bei den mittanzenden Blogredakteur*innen nur selten awkward, sondern meistens focused, suprised und fascinated. Und wir hatten definitiv a lot of fun.
Zurück in der Redaktion überlege ich mir, ob voguen wohl als Verb verwendet werden kann. Ich vogue, du voguest, er/sie/es voguet. Wir voguen, ihr voguet, sie voguen, alle voguen bis zum Countdown: Twothousandone-one – twothousandtwo-two – Twothousandthree – and – hold – that – pose – for – me.


Foto: Dave Großmann