Hinter den Kulissen mit Yasin

Letztes Jahr warst du Festivalteilnehmerin, jetzt bist du Praktikantin und leitest Aufführungsgespräche an. Wie kommt’s?

Also, ich war letztes Jahr mit meiner Hamburger Theatergruppe hier, unser Stück hieß „Syrien – der Krieg im Menschen“, und wir waren tatsächlich unter den acht ausgewählten Preisträgergruppen. Das Theatertreffen hat mir dann sehr gut gefallen, es war wunderschön hier.
Später habe ich mit ein paar Leuten aus meiner eigenen Gruppe, aber auch mit ein paar anderen Schauspielern angefangen, ein neues Stück zu inszenieren. Das war im November, glaube ich, und für die Proben durften wir einen Raum im Berliner Festspielhaus benutzen. Weil ich letztes Jahr mein Abitur gemacht habe und danach zuerst ein halbes Jahr im Theater gespielt und gearbeitet habe, wollte ich unbedingt bei den Berliner Festspielen ein Praktikum machen. Als ich dann bei Christina Schulz nachgefragt habe, hat sie ja gesagt, und jetzt bin ich hier. Als Ehemalige, Praktikantin und Aufführungsgesprächsleitung.

Du bist jetzt also hinter den Kulissen und siehst das Ganze von der anderen Seite. Wie fühlt sich das an?

Natürlich ist nicht mehr alles total neu. Dadurch, dass ich nicht nur als Comebacker, sondern auch als Praktikantin hier bin, habe ich viel von der Organisation und dem großen Aufwand mitbekommen, der hier betrieben wird, damit das Theatertreffen der Jugend stattfinden kann. Das finde ich sehr interessant, da man sieht, wie viel Arbeit eigentlich hinter dem Festival steckt. Man muss viel mitdenken, und das finde ich bewundernswert.
Ein sehr großer Unterschied zu letztem Jahr ist, dass ich dieses Mal allein und nicht in einer Gruppe hier bin. Natürlich habe ich meine „Arbeitergroup“, mit der ich beim Infocounter stehe und Beutel verteile, T-Shirts falte, Garderoben aufräume, und so weiter. Manche kenne ich zwar noch von letztem Jahr oder vom sehen, aber trotzdem bin ich allein hier, ohne Freunde oder Leute, mit denen ich ein Theaterstück gemacht habe. Ich bin viel kommunikativer und rede offener, und ich habe schon mit so vielen Leuten gesprochen. Das ist echt klasse. In einer Gruppe bleibt man vor allem am Anfang eher unter sich.

Wie laufen deine Aufführungsgespräche ab?

Es gibt fünf ehemalige Festivalteilnehmer, die die Gespräche anleiten. Jede Gruppe ist fest, jeder Teilnehmer hat eine Farbe auf seinem Ausweis, allerdings sind die verschiedenen Theatergruppen vermischt. So setzen sich die Gruppen zusammen. Am Anfang ruft man sich das Stück vom gestrigen Abend noch einmal ins Gedächtnis und erinnert sich daran, welches Bild einem besonders hängen geblieben ist, dann teilt man das der Gruppe mit. Es dürfen Fragen gestellt werden, Anmerkungen sind auch willkommen, Kritik, positiv wie negativ und natürlich immer freundlich ausgedrückt. Es geht vor allem darum, einen Austausch stattfinden zu lassen.
Am Anfang sind die meisten noch etwas schüchterner, aber ich glaube, je länger wir hier sind, desto offener und selbstbewusster können wir über die Theaterstücke diskutieren.

Hat dich das Theatertreffen des vergangenen Jahres stark geprägt – schauspielerst du noch?

Auf jeden Fall. Jetzt nach dem Festival nehme ich mir erst einmal eine Auszeit und reise in der Welt herum. Danach würde ich gern Schauspiel studieren; nächstes Jahr fange ich an, mich an Schauspielschulen zu bewerben.

Und was hat dir am Festival dieses Jahr bisher am besten gefallen?

Am besten gefallen hat mir die Begeisterung von allen, die hier sind, die ganze Energie, hier zu sein.

Was gibst du den Teilnehmern mit auf den Weg, wenn das Theatertreffen vorbei ist?

Nach so einer tollen Zeit fällt man oft in ein ganz schön tiefes Loch. Das kann man meistens kaum vermeiden, aber: Kommt aus diesem Loch auf jeden Fall wieder raus, macht weiter, spielt weiter, kommt wieder. Ein Comeback ist immer schön.