Glosse: ABInto the wild

Der ultimative Guide für eure individuelle Backpacking-Experience

1. Herkunft

Also als aller, allererstes würde ich euch empfehlen, wenn ihr es nicht schon tut, in einer mittelgroßen deutschen Stadt aufgewachsen zu sein (#kartoffelllife). So erscheint euch das Leben gleichförmig und es wächst der Wunsch auszubrechen. Bei Akademiker-Eltern müsst ihr weniger Überzeugungsarbeit leisten. Die glauben noch an freie Entfaltung, Persönlichkeitsbildung und Denken an euren Lebenslauf. Dazu gehören auch interkulturelle Kompetenzen. Wichtig ist natürlich auch der richtige Pass. Den könnt ihr beim Bürgeramt beantragen (#6wochenvorher). Damit stehen euch über 170 Länder zur Wahl!


2. Zeitpunkt

Der beste Zeitpunkt ist direkt nach dem Abi. Nach zwölf Jahren Schuldisziplin ist das Verlangen besonders stark, endlich die Welt da draußen zu entdecken. Vergesst die Matheformeln, ihr müsst endlich rausfinden, wer ihr seid und was ihr wollt. Also ab #intothewild. Neue #Kulturen kennenlernen, keine Kontrolle von Eltern und Schule. Einfach faul in der Sonne liegen und verschiedene Lifestyles experimentieren. Wenn das Geld ausgeht oder die Western Union-Gebühren eurer Mama zu hoch sind, könnt ihr z.B. mit Straßenkunst Geld verdienen und eure künstlerischen Skills improven oder ihr arbeitet auf einer Farm und lernt etwas über Verantwortung und harte, körperliche Arbeit (#sonnenschutznichtvergessen).


3. Schuldgefühle

Ihr fragt euch bestimmt, ob ihr die ganze Armut aushalten werdet. Schuldgefühle oder Scham sind eine wahre Bürde und können einem den ganzen Spaß verderben. Keine Sorge, das ist ganz normal (#whiteguilt). Macht euch klar, dass das eine wichtige Erfahrung für eure persönliche Entwicklung ist. Ihr müsst einfach raus aus dieser eurozentristischen (Konsum-)Kultur, um zu sehen, wie gut ihr es eigentlich habt. Nehmt euch vor besonders ökologisch (und natürlich biiilllliiiig!!!) zu reisen. Ihr seid auf der Suche nach der real life experience. Plant auch den kulturellen Dialog mit ein (#blog)! Denn diese Menschen wissen, wie man trotz Armut glücklich wird, wie man das Leben genießt und sie werden euch bestimmt gerne erklären, wie das geht.


4. Vor Ort

Last but not least: Was müsst ihr vor Ort beachten? Vergesst nicht, ihr seid Entdecker, Träumer. Alles ist neu, alles so unberührt, so authentisch. Ihr seid frei, nicht so verklemmt wie eure Eltern, die ihr hinter euch gelassen habt. Das müsst ihr allen zeigen. Macht euch Dreads. Nehmt euch, was ihr findet: lokale Kleidung zum Beispiel. Seid so lieb und bringt euren Freunden was mit. Manchmal werdet ihr einsam sein, das ist jeder Steppenwolf mal (#herrmannhesse). Manchmal werdet ihr weinen, weil ihr euch daran erinnert, wie privilegiert ihr seid. Aber vergesst nicht, auch ihr seid Opfer des Systems. Erschafft euch eine spirituelle Logik, die all das Leid erklärt (#nirvana). Schreibt alles auf. Eure persönliche Erfahrung ist einzigartig. Stilistisch empfehle ich eine Mischung aus Bukowski und Tarzan. Ihr müsst euch im Klaren sein: Indem ihr mit überfüllten Bussen fahrt, in billigen Hostels übernachtet, die exotische Küche kennenlernt – leistet ihr einen wichtigen Beitrag für die Welt. Lasst euch nichts anderes einreden (#hatersgonnahate).


Mein wichtigster Tipp: Genießt euren Ausstieg aus dem System!


// feat. Fine Riebner