Generation S:
Schlechte Schale, guter Kern

Der Anfang gibt sich wie ein Teaser, in dem das Thema schon einmal abstrahiert präsentiert wird. Es werde darum gehen, wie unangemessen es ist, die Generation einer Jugend mit einem einfachen Namen zu erklären. »Generation Porno, Generatino Facebook […] Kann eine gefühlte Generation nicht immer eine Momentaufnahme sein?« etc. Tatsächlich werden Teile dieses Textes direkt aus dem Programmheft zitiert. Aber das sind Dinge, die das Stück selbst im Schauspiel noch zeigen und spürbar machen sollte. Es sollte gar nicht nötig sein, sie in dieser expliziten Form ins Stück zu packen. Das macht den Eindrück, als müsste man sich erklären. Und wenn diese Dinge im Stück so nicht deutlich werden würden, dann wären sie auch als »Prolog« unpassend.

Der Hauptteil der Inszenierung fesselt durch authentische, intensiv geschauspielerte Szenen. Die Figuren sitzen in einem Halbkreis und erzählen besondere Situationen ihrer Kindheit – von der Geburt, über das erste Wort, über den ersten besten Freund, bis hin zum ersten Kuss. Jede Situation wird von einigen anderen Figuren im Rollenspiel nachgestellt. Auf waghalsige technische Einfälle und Requisiten wird verzichtet. Das gibt dem Schauspiel und den einzelnen Schauspielerfiguren viel Raum. Einen Raum, auf den man sich gerne einlässt. Man weiß, dass man es nicht mit professionellen Schauspieler zu tun hat, sondern eine Zusammenstellung der besten Ideen aus gemeinsamen Arbeitswochen vor sich sieht.

In jeder Anekdote wird versucht, keinen plattitüdenhaften, sondern einen individuellen intensiven Moment zu inszenieren. Und dass das meistens gelingt, macht das Stück so stark. Jede Situation wirkt weder wahllos noch weit hergeholt, sondern glaubwürdig und charmant.

Aus heiterem Himmel platzt am Ende eine Politisierung in die Biographien der neun Figuren herein. Sie berichten zunächst davon, durch Neugier in eine Demonstration geraten zu sein, als sie ganz jung waren. Urplötzlich aber, während die chronologisch fortschreitenden Anekdoten noch auf der Höhe von 12-Jährigen sind, werden schwarze Kapuzenpullover hervorgeholt. Alle erscheinen um fünf Jahre gealtert, sprechen von Revolution und großem Aufbruch, und stürmen entschlossen von der Bühne.

Man sucht mit sich überschlagenden Gedanken nach einem Hinweis im Stück, der diesen gewaltigen Sprung vorbereitet – vergebens. Als der Applaus losbricht bleibt man voller Fassungslosigkeit, dass es schon vorbei sein soll. Selbst wenn dieser Überraschungseffekt intendiert wäre, würde er keinen Sinn machen.

Denkt man sich den Anfang und dieses nicht einzuordnende Ende weg, bleibt ein Stück von bestechender Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Humor und Kreativität übrig.

Foto: Dave Großmann