Generation S:
Rosinen zum Schluss

Sich als Generation zu definieren, ist ein unmögliches Unterfangen. Ebenso wäre es letztlich eine unadäquate Aufgabe mit einem beliebigen Ergebnis, würde man ein repräsentatives Wort finden wollen, was für den Buchstaben »S« steht. Vielzahl und Komplexität sind authentischer als Etikettierungen. Aus dieser Erkenntnis zieht die Produktion des »Jugendclub Drei« die einzige logische Schlussfolgerung und distanziert sich vom wässrigen Sammelbecken eines Hyperonyms, indem es strikt individuelle Erlebnisse erzählt. Die inhaltlich klar aufgehende Rechnung wird auch formal spannend umgesetzt: Das jeweils erzählende Subjekt macht sich die Mitspieler zu Objekten, die nötig sind, um das Individuum innerhalb der Konstellationen zu positionieren – eine parabolische Situation zum wahren Leben. Dann geschieht der magische Augenblick und Spiel und Sein werden zu keinen relevanten Unterscheidungskriterien.

Die tragisch-humoristischen Elemente werden ausgehalten, auch leise Töne des Alltags dürfen erzählt werden und das Geschehen darf sich konsequent entfalten. Wenn von Spucken die Rede ist, wird gespuckt. Das ist die Rezeptur für Unterhaltung!

Die eigene Chronologie wird inhaltlich und schauspielerisch selbstironisch dargestellt. Wenn ein Mitspieler den Vater einer Mitspielerin spielt, der zur Geburt seines Kindes fährt, dann ist es aus der Situation heraus zum Schreien lustig, wenn dieser die Miene eines Rennfahrers verzieht, während die anderen Mitspieler den Verkehrslärm imitieren.

Was bleibt zu kritisieren? Dass die Thematisierung der Demonstration gegen das Projekt Stuttgart 21 eine vielleicht gekünstelte und politisch gefärbte Lösung ist, die letztlich das schicksalhafte Verknüpfen individueller Biographien intendiert und daher von Beginn an mitschwingt? Dass die zuletzt geforderte Revolution nicht mit Argumenten begründet werden kann, wie »die Zeit ist reif«, da in den letzten Jahrzehnten ein Vakuum der fehlenden sozialen Umschwünge entstanden ist? Die Fragen möchte ich mit einer vollkommen subjektiven Motivation nun nicht beantworten: Dies steht nicht in Relation zu dem großartigen Spaß und dem sympathischen, ehrlichem Erzählhabitus der Produktion.

Zum Schluss eines noch: Die festliche Verleihung der größten vergoldeten Eier geht an diesem Abend an den »Jugendclub Drei«, der sich ziemlich frech – und taktisch smart, da es der letzte Abend ist – entschlossen hat, die vorhergehenden Produktionen mit einem Augenzwinkern zu parodieren.

Foto: Dave Großmann