Frühlings Erwachen:
Frühlingskurze Eindrücke

Ich stehe vor dem Einlass, ein Sprechchor fordert ein freies Recht auf Sexualität, ich denke, das kann doch nicht wahr sein. Da fordern wieder welche was und dann sowas und dann auch noch als Sprechchor. Wir werden in den Saal gelassen und dröhnender Noise beschrammelt die Ränge, Saallicht an, die Bühne dunkel, der Chor ist vergessen und ich denke, das könnte gut werden. Ich denke daran, wie ich vor ein paar Jahren beim Bundestreffen der Jugendclubs war, das KRESCH Theater hat es damals ausgerichtet. Ich erinnere mich an diese Woche und wie diese erste Erfahrung mit Jugendtheaterfestivals eine fantastische Erfahrung war, eine, die geprägt hat, an die ich noch heute oft denke. Und all das projiziere ich auf die Bühne, und auf die SpielerInnen, und finde es so ehrlich, was da passiert und so lustig und extrem charmant, dass ich, wirklich, sehr hingerissen bin. Dabei passiert da vorne so vieles, was ich eigentlich nicht mag, nicht sehen möchte, das sind pubertäre Scherze über das erste Mal und natürlich Schwulenwitze (überhaupt: sind die nicht ein bisschen zu alt für die Pubertät?), und trotzdem bringe ich das alles mit dieser großen, großen Grundsympathie in Einklang, die ich gegenüber der Produktion empfinde. Das Lichtkonzept: wahnsinnig toll! Da gibt es natürlich mitunter Timing-Schwierigkeiten und auch sehr selbstgemacht sieht es stellenweise aus, aber: Mein Gott, das ist es halt. Ich weiß auch, dass man da vieles kritisieren könnte, man könnte wieder reden über fehlende Ausdifferenzierung des Themas und, ja klar, Schablonen und schnell gemachte Witze, aber ich will das hier nicht und deshalb ist es auch keine Rezension, sonder ein Reden darüber, dass ich frage, ob man denn, wenn man sich entschließt, ein Pubertätsstück zu machen, ob das da nicht alles reingehört. Ob da nicht reingehört, dass es unperfekt ist, dass es überhöht und kitschig ist. Und ob man das nicht einfach mal machen kann. Gerade, wenn da so viel Spiellust ist und Lust zur Gestaltung, zur ästhetisierten Form. Natürlich wird da jetzt nicht die Sexualität neu verhandelt, oder ein Jugendbild korrigiert, natürlich kennt man das (inhaltlich) alles schon, eben so, wie man auch »Frühlings Erwachen« schon kennt. Doch so kompakt und pfiffig, spielfreudig, elegant und schön anzuschauen, hat man es schon länger nicht mehr gesehen.

Foto: Dave Großmann