Freiheit und Demokratie,
Du Wichser:
Vorgekaut

Wenn Stoff und Sprache hinter Bildergewalt untergehen, bleiben dargestellte Emotionen als diffuse Hülsen im Raum zurück

Die Jungs und Mädels aus Schwerin haben sich für das Spielen von Figuren entschieden, für das Erzählen fremder Geschichten. Sie wollen von einer wertentleerten Gesellschaft erzählen. Eine, die Kinderpornos, Flugzeugabstürze, Folter und Startrubel unkommentiert nebeneinander existieren lässt. Eine, die keinen Platz für Zärtlichkeit, Liebe, Ehrlichkeit und Empathie hat. Doch mit ihre Figurenauswahl und ihrer Sprache treten sie damit in denselben Napf.

Sie haben für mich nichts Neues erzählt, keine neuen Perspektiven eingenommen. Sie zeigten durchsichtige Figuren, die etwas darstellten, anstatt etwas zu sein. Die keine eigene Subjektivität und damit keinen persönlichen und unanfechtbaren Standpunkt hatten, mit dem ich mich hätte reiben können. Eine Figur muss nachvollziehbar sein, sonst wird sie zur Karikatur. Am Auffälligsten sah ich das bei der Stalkerin im Brautkleid. Sie schwärmt für einen Mann, der sie nicht kennt. Ihre Szene wiederholt sich. Es kommt aber nicht zum Bruch mit dem Klischee. Ebenso wie die junge Frau, die auf einer Party vergewaltigt wird. Sie wird mir als willenloses Geschöpf vorgestellt, dass nach und nach zu Boden sackt. Empathie zu entwickeln, wird mir in beiden Fällen durch die emotionalisierte Darstellung abgenommen.

Das besondere daran, eine fiktive Geschichte zu erzählen, ist, dass sie trotz ihrer Spezifizität verallgemeinbar oder zumindest übertragbar ist. Figuren bieten eine Identifikations- und wenn nicht, dann eine Reibungsfläche. Einen Menschen darzustellen, der von einem Kinderporno schockiert ist, überrascht nicht. Ihn aber als jemanden, darzustellen, der seine Sensationlust und Geilheit befrieden möchte, bieten eine neue Perspektive. Ich gleiche ab, meine Welt mit der erzählten Welt und hinterfrage meine Urteilsfähigkeit. Aber, wenn da nichts ist außer Hülle, kann ich auch nichts machen, außer mich zu langweilen.

Schlussendlich hat man nicht nur die Wirkung von Stoffen unterschätzt, sondern auch die von Sprache. Mit ihr wurde nicht sensibel genug umgegangen. Sie war ein Requisit und so konnte sie nicht ihre volle Kraft entfalten. Gestern wurden meiner Meinung nach einfach Klischees in Klischees ausgedrückt. Ein Jetsetleben, ohne soziale Bindungen kann nur entleerend auf einen Menschen wirken, aber das greift zu kurz. Wenn man sich also für solche Stoffe entscheidet, dann hätte man zu neuen sprachlichen Mitteln greifen sollen. Stattdessen ruhte sich das TaGGs-Ensemble auf vermeintlich starken Bildern aus.