Freiheit und Demokratie,
du Wichser:
SpongeBob und die Welt
in Flammen

„Ihr seht die Guten, warum bombardiert ihr uns?“ fragt uns zu Beginn eine Armee guter Menschen. Das würde man selbst zu gerne zurückfragen: Warum bombardiert ihr uns?

Mit Bildern, Symbolen und Querverweisen auf Popkultur, durchaus mit der Intention zu schockieren. Aber wäre etwas weniger nicht viel schockierender gewesen?

In Freiheit und Demokratie, du Wichser! kommt alles zum Einsatz, was die Requisite hergibt, denn „es ist Party-Zeit und ich bin bereit“: Halbdurchsichtige Négligés, Brautkleider, ein kreuzförmiger Catwalk, auf dem nach einem Flugzeugabsturz deformierte Models unbeirrt weiterlaufen, NS-Uniformen, Justin Bieber- und Hitler-Masken und oben drauf noch Unmengen Theaterblut und buntes Konfetti, Du Wichser! Jetset und Terrorismus, eine Tasse Tee und die Kalaschnikow der Selbstmordattentäter. Es geht um Sex, Konsum und Tod. Am Ende scheint sich alles zu vermischen, wie bei den Smoothies, die immer wieder erwähnt werden. Smoothies sind leckere Fruchtshakes, die keinem etwas tun, sie wollen einfach ein bisschen aufregender sein als sie es sind.

„Vegan ist der neue Punk“ wird an anderer Stelle im Stück gewitzelt, aber beschreibt dieses Zitat nicht genau das, was auf der Bühne passiert? Der Versuch zu schockieren wird maskiert von Effekten und einem Schuss nackter Haut. Oft greift die Gruppe auf Gemeinplätze zurück, als wäre bei der Entwicklung des Stückes ein kollektives Brainstorming darüber durchgeführt worden, was schockierend auf alle wirkt: Selbstmord, Hitler, Kinderpornographie. Leider lässt das Stück den Zuschauer mit diesen Bildern allein, Symbole bleiben verschlüsselt, eine Auflösung bleibt aus und die Wirkung kann sich nicht entfalten.

Natürlich könnt Ihr alle Topmodels dieser Welt aufzählen und sie der Reihe nach über das Catwalk-Kreuz laufen lassen und nebenbei erzählen, wie SpongeBob Schwammkopf Krabbenburger brät, während die Welt da draußen in Flammen aufgeht. Das ist ein Kontrast, der funktioniert, kein Zweifel. Er ist simpel, allen zugänglich. Aber dort liegt auch das Problem. Egal wie viele Bilder gleichzeitig auf der Bühne übereinander gelagert werden – was bleibt, ist das Gefühl, dass hier mit Bildern gearbeitet wird, die allzu bekannt sind. Da schockt es kaum noch, dass Jesus und Hitler in einer Szene Hand in Hand gehen, der Zuschauer erwartet es fast schon und fühlt sich unangenehm bestätigt. „Ich benutze die Kunst, um zu helfen“, dieser Satz fällt in der ersten Hälfte des Stückes. Fraglich bleibt, ob die Kunst hier tatsächlich benutzt wird, um uns zu helfen oder die Botschaft in der überladenen und klischeebehafteten Bildsprache einfach untergeht.

Foto: Dave Großmann