Freiheit und Demokratie,
du Wichser:
NEON NAZI EVANGELIUM

Das Stück will gar nicht moralisieren, nur provozieren – Instant-Provokation ins Publikum onaniert.

BÄM! Es beginnt mit Terrorismus und Islamophobie, 9/11 und Entrüstung: Wir sind die Guten, ihr die Anderen! Der Kern der Sache: Unsere Werte sind wertlos. „Wir sehen nichts in euch!“ Dies scheint das westlich hegemoniale Othering anderer Kulturen perfekt einzufangen. Aber letztlich bleiben all die Klischees nur dahingeschmissen, nichts wird dekonstruiert – sie wollen nur provozieren.

Demokratie und Freiheit – ja, was bringt der Scheiß, wenn nur hardgore Kinderpornos und Bauchnabelnahaufnahmen bei rauskommen? Der konkrete politische Zusammenhang ist fraglich, der Zuschauer verwirrt. Und dann sind da noch die Smoothies; als Inbegriff der Dekadenz sind Smoothies eine fragwürdige Wahl – dennoch werden die Elemente wie Modeindustrie und Spongebob so lange wiederholt und nebeneinander gestellt, bis die westlichen Werte entleert sind – immer und immer wieder dasselbe Mittel. Veganismus, Greenmovement – alles elitäre Ereignisse. Der bekannte Gutmensch wird diffus wie eh und je inszeniert.

Als Finale: Philip Glass und Suizid. Eine schöne Szenerie. Jesus taucht in dem Kreuzsandwich auf, Konfetti, wir haben keine Werte – Vakuum – alle essen Twix. Hitler hält Händchen mit Jesus, Gegenpole löschen sich, alles ist gleich, moralischer Nihilismus, Gut und Böse, Symbole dahinonaniert. Aber ist das nicht TaGGs’ Ziel? Aber warum Smoothies und Kinderpornos? Beides wird auf einer Ebene gespannt und soll die westliche Gesellschaft auf ihren Produktions- und Ausbeutungswahn festnageln. Es fühlt sich aber an wie ein Geständnis über die eigene Schuld, ein weißer Mittelstandsbürger zu sein, eine Arie aus eurozentrischem Selbstmitleid und Kasteiung, ein Ekel vor der eigenen Freiheit und dem Individualismus. Am Ende verbleibt nichts – kein erhofftes moralisches Vakuum, sondern eine Inhaltsleere.

Foto: Dave Großmann