Freiheit und Demokratie,
du Wichser:
Kompilation von Grausamkeiten

Die Gruppe TaGGS vom Goethe-Gymnasium Schwerin hat provoziert. Das Stück heißt Freiheit und Demokratie, du Wichser: eine Versuchsanordnung.

Zwei Mädchen stehen Hand in Hand auf der Bühne, maskiert als Christus und als Hitler, eine der beiden ist mit Kunstblut beschmiert, an dem Blut klebt Konfetti. Wie konnte es dazu kommen?

Vorgetragen wird eine Reihe von Monologen aus der Perspektive von sexsüchtigen Westeuropäern, islamistischen Terroristen, Fitness-Studio-gestählten KiPo-Konsumenten, visionären Nationalsozialisten. Ein Wachsfigurenkabinett aus politischen Inkorrektheiten. Die Monologe sprudeln dahin, die zwölf jungen Schauspieler wechseln die bizarren Rollen wie Kleider. Während einer spricht, verharren die anderen elf im Freeze. Es ist eine ermüdende Predigt mit einer penetranten Botschaft: Fühlt euch betroffen.

Ich fühle mich nicht betroffen. Was mich am meisten schockt  ist die krampfhafte Anstrengung der Inszenierung, mich schocken zu wollen. Freiheit und Demokratie, du Wichser ist kein Stück, das zum Nachdenken anregt. Es vermittelt nur das Gefühl, dass es viel nachzudenken gibt. Die Vergewaltigung einer Minderjährigen, die Beschreibung eines Flugzeugabsturzes, bei dem die Körper der Opfer in tausend Stücke zerfetzen: alles mit vorwurfsvoll gefasster Miene vorgetragen. Szenen einer Hinrichtung, ein Schauspieler in SA-Uniform: eine Kompilation von Grausamkeiten, eine nach der anderen an den Pranger gestellt.

Nach einer halben Stunde hat sich das Konzept erschöpft, das Stück geht aber weiter – mit einer überheblichen Strenge, als würde es dem Publikum nicht zutrauen, den Schrecken kapiert zu haben. Doch zum schlichtweg Entsetzlichen lässt sich wenig sagen. So läuft das Stück ins Leere.

Foto: Dave Großmann