Freiheit und Demokratie,
du Wichser:
Dann lieber Trash

…wenn Provokation zur Attitüde wird

Sie wollten provozieren. Sie wollten Tabus brechen und gesellschaftliche Zusammenhänge in ein neues Licht stellen. Diese Intention unterstelle ich dem TaGGs unter Leitung von Bernhard Meindl. Was es dann gestern auf der Bühne zu sehen gab, war für mich allerdings nicht schockierend oder berührend, sondern einfach ärgerlich.

Der Versuch, mit überholten Bildern eine Reaktion des Publikums zu erzwingen, scheiterte: Da konnte noch so viel Konfetti fliegen, Hitler neben Jesus stehen, von Kinderpornos erzählt und “ficken” gesagt werden.

Die Desensibilisierung setzte schon nach den ersten Monologblöcken bei mir ein. Der Text wurde zum weißen Rauschen, denn er schien ohne jeden Bezug in den Raum geworfen zu sein. Er erzählte mir keine Geschichte, weder von den Figuren des Stücks, noch dessen DarstellerInnen. Ich fragte mich, mit welcher Begründung und welchem Zweck die Bilder gezeigt wurden. Denn Provokation um der Provokation willen ist eine leidige Angelegenheit. Vor allem, wenn die Grenzüberschreitung zur Attitüde wird und so ihren Effekt verliert. Als Zuschauerin langweilte ich mich,  dass auf die immergleiche, flache Art versucht wird, mich zu schockieren und mir nicht vermittelt wird, wozu.

Ich bin für grenzüberschreitende Erfahrung in der Kunst jederzeit zu haben. Ich finde es gut, wenn eine Produktion den Anspruch stellt, mich berühren zu wollen. Aber das gestern war weder fein kalibriertes Kitzeln oder sanftes Streichen, noch war es der Holzhammerschlag, der mich ohnmächtig zurücklässt. Es war wie ein auf Dauer nervendes Kleinkind, das unaufhörlich versucht, meine Aufmerksamkeit zu erlangen, indem es mich mit einem Stock in die Seite piekst.

Foto: Dave Großmann