Forum Fokus –
Reden über Tanz

Über Tanz zu sprechen ist schwer. Nicht über ihn zu sprechen noch schwerer. Im Foyer des Hauses der Berliner Festspiele saßen deswegen Choreographen und Juroren, Journalisten und Tanzinvolvierte jeglicher Art zusammen um sich mit dieser Problematik auseinander zusetzen.

Tanz zu beschreiben ist wichtig, für seine Interpretation, für seinen Entstehungsprozess und schließlich auch für seine Vermarktung. Nicht wenige der Anwesenden haben Stücke mit Jugendlichen und Kindern entwickelt, in dem sie mit ihnen über die Inhalte und ihren Bezug dazu geredet haben. Und trotzdem scheint die Frage nach der Sprache sperrig im Raum zu stehen. Immer wieder fallen die Worte: Hemmungen, Ohnmacht. Für den einen ist die Sprachlosigkeit Ohnmacht, für den andern ist es die Überpräsenz der Sprache.

Das ist durchaus verständlich, schließlich geht es um nichts Minderes als der eigenen Kunst einen anderen Ausdruck zu erschaffen, Erfahrung von Schönheit und Bewegung teilbar zu machen, theoretische Klarheitsansprüche zu erfüllen und gleichzeitig eine Sprache zu verwenden, die auch ein Spiegel der Poesie des Tanzes sein kann.

Es herrscht ein reger, aber geordneter Austausch- das Spektrum der Meinungen ist breit gefächert. Als Extrem auf der einen Seite steht dabei die Idee, dass man nur sehen kann, was man weiß. Und Wissen findet in diesem Fall vor allem in der Sprache und nicht im Körper statt. Es zeigt sich deutlich, dass die, die Sprache befürworten im und um Tanz eine bessere Position in dieser Diskussion haben. „Ich denke man sollte nicht über Tanz reden“, ertönt eine Stimme in der Runde. Mit diesem Statement war der Wortbeitrag an dieser Stelle konsequenterweise auch vorbei. Schade eigentlich. Vielleicht hätte man nachfragen sollen, ob sie die Gründe dafür vortanzen kann.

Eine andere Thematik, die aufkommt, ist die der Rollenbilder. Klischees vom Kritiker als entfernten Richter bis zum Tänzer als stumme Marionette werden angesprochen. Diese oft hierarchisch aufgeladenen Rollen bringen Frustration mit sich und blockieren kreative Prozesse. Hier kann Sprache eine emanzipatorische Rolle haben: Die Kluft zwischen Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen überwinden, aber auch zwischen Publikum und den Künstlern.

Am Ende hat sich keine klare Synthese herauskristallisiert- „Tanz will sich nicht festlegen. Will keine Eindeutigkeit. Die Qualität des Tanzes liegt gerade darin, dass das Gefühl in der Schwebe ist.“ Allgemein scheinen die Künstler zu präferieren, Dinge mit der Sprache zu Umkreisen statt sie zu „erstechen“. Es geht ihnen nicht darum, die Bewegung festzunageln, sie starr in Sprache zu konservieren, sondern sie zu übersetzen in dieses andere Medium.

Das Transformieren in eine andere Kunstform als Übersetzungsarbeit zu sehen, scheint eine hilfreicher, positiver und gleichzeitig durchaus kritischer Blick auf die Möglichkeiten und Beschränkungen dieser Arbeit. Es gibt in der Kunst eben oft kein richtig oder falsch, oder zumindest ist das nicht die richtige Frage. Was nicht bedeutet, dass Positionierungen unwichtig sind, im Gegenteil-

Die Beiträge der einzelnen, professionellen Tanzverrückten haben deutlich gemacht: Arbeitsweisen, Konzepte, Erzählperspektiven, Bedingungen und die inneren und äußeren Räume sind das, was Kunst zu dem macht, was sie ist. (Und was das ist, muss und darf jeder mit seinen eigenen Ausdrucksformen herausfinden.)

Foto: Dave Großmann