FEUERBLUME:
EIN NATURSPEKTAKEL

Auf unserem Weg aus dem Büro zur Bühne begegnen wir bereits den jungen Tänzer*innen von der „Kindertanzcompany Berlin von Sasha Waltz & Guests“. Sie tragen weite Kostüme in zarten, kräftigen Farben. Einige strecken und dehnen sich, andere sitzen im konzentrierten Schneidersitz, ein Mädchen ist gerade damit beschäftigt den Bart eines der Musiker zu flechten. Leises Kichern ist zu vernehmen, das vereinzelt mit Pscht! beantwortet wird- die sehr junge Gruppe ist bereits erstaunlich diszipliniert, und das auf eine harmonisch angenehme Art und Weise.

Das Stück lädt ein in einen Garten aus Bildwelten, die viel Assoziationsraum für die*den einzelne*n Zuschauer*in lassen. Wiese, Mikrokosmos, Wüste…  Langsam breiten sich die Arme der Tänzer*innen aus und wirken dabei wie Zeitrafferaufnahmen wachsender Pflanzen. Winde scheinen sie in Rollen über die Bühne zu fegen. Der Ort dieses wunderlichen Spektakels bleibt der Vorstellung der*s Betrachters*in überlassen.

„Feuerblume“ ist in enger Zusammenarbeit mit der Band Bukahara entstanden.
Die Musik erweckt Energie auf der Bühne, ist der Anstoß, aus dem sich ein tänzerisches Eigenleben entwickelt. Sie sind das Fundament und Dreh und Angelpunkt der Inszenierung.
Tanz und Musik gehen eine Symbiose ein, umspielen einer wie das Miteinander von Licht und Schatten- mal scheint die Melodie die Geschichte der Tanzenden zu erzählen, mal scheinen sie die Musik in den Raum zu übersetzen. Offensichtlich wird auch, wie gelungen die Zusammenarbeit über Altersbarrieren auflöst: als der ausgiebige Applaus verebbt und die Bühne verlassen ist, fallen sich Künstler*innen altersunabhängig in die Arme.

Wenn man sich das gelungene Gesamtwerk ansieht, möchte man gar nicht mehr über das Alter der Truppe schreiben.  Doch haben gerade die Jüngsten einen besonderen Zugang zum Publikum, und strahlen unmittelbare Freude aus, die überall in und zwischen ihren Bewegungen und Posen sprießt. Die Wirkung ist eine verzaubernde, die es schafft, den Betrachter vom Alltag loszulösen, ihn für 20 Minuten in eine abstrakte Welt voll Entstehen, Wachstum und Wandel zu absorbieren.

„Feuerblume“ kommt ohne kompliziertes Handlungsgerüst oder komplexe Thematik aus.
Es ist kurzweilig aber intensiv.
Es schafft es, gleichzeitig minimalistisch und naturnah zu sein – eine Atmosphäre aufzubauen, in der ein angenehmer Pathos mitschwingt.

Foto: Dave Großmann