Ferienlager:
Sind wir nicht alle ein
bisschen Ferienlager?

Irgendwie ist Migrationstheater gerade hip. Vor allem doku-mentarisches Migrationstheater.
Es scheint, die Leute wollen was „aus dem echten Leben“, sie mögen den Begriff „Authentizität“. Nennen wir es das A-Wort, nachdem wir gestern das I-Wort inflationär verwendet haben.

Die 3. Generation zeigte uns gestern keine ausfransenden Debatten, wer hier wie mit wem integriert ist, sondern Girls- und Boys-Power von Darstellerinnen und Darstellern, die das Theater als Sprachrohr benutzen, um Biografie-Schnipsel zu präsentieren, die nah bei ihren eigenen Identitäten stehen (angeblich) und Entwürfe sind von dem, was sie sein wollen oder könnten (angeblich). Neben vielen Posen und den eige-nen Geschichten, die nebeneinander Platz nehmen und sonst weniger aufeinander Bezug nehmen, fragt man sich aber, was heute aus den DarstellerInnen und ihren Träumen, Vorstellun-gen und Identitäten geworden ist, da die Interviews, die für den Stück-Text verarbeitet wurden, ungefähr vor zwei Jahren entstanden.

Genial funktionierte der Umgang mit der Offenlegung techni-scher Mittel: Mikros klebten an den Mündern (Soundeffekte machen irgendwie doch Spaß!), eifrige Hände schütten aus der Hintertür Kunstschnee ins gleißende Licht und die Wand, die sonst im Ballhaus Naunynstraße zum Aggressionsabbau da gewesen wäre, fehlt!

Wir sind eben nicht im Ferienlager, sondern im Theater!

Foto: Dave Großmann