Ferienlager:
Mehrere komplex und
korrekt untergeordnete
Nebensätze

Es ist einfacher, YEAH oder BUUH zu sagen als irgendwie kohärent eine Meinung irgendwo dazwi-schen zu formulieren. Genauso einfach ist es zu sagen, „jah, also, ich mag Biografisches“, oder „nee, also ich mag Biografisches nicht so“, man könnte dann noch sowas sagen wie „irgendwie kann ich damit eben nichts anfangen“ oder „das ist genau mein Ding, so“.

Ich werd es mir ein bisschen einfach machen, aber nicht so einfach. Ich werde hier nicht auf Das Große Ganze gehen, hier wird es nur um Aspekte der Inszenierung gehen, nicht um Intentionen oder Theaterformen. Nur um kleine Dinge, die ich ges-tern Abend gesehen hab. Und gehört.

Beim Hausbauen gehört der Aushub und das Auf-schütten von Erde zu den aufwendigsten und teu-ersten Sachen. Was ich sagen will, ist, dass ich gestern Abend fast eineinhalb Stunden auf den Nutzen der Erdaufschüttung gewartet hab. Und auch dann gab es in der Erde keine Falltür-Gräber oder Blumenbeete, nicht die große Erdverwertung, die ich mir gewünscht hätte. Die Mutter Erde sich gewünscht hätte.
A propos Natur, eine Frage: Warum musstet Ihr denn um Himmels Willen in Mikros sprechen, so dass alles Atmen entweder nach Darth Vader oder Sterben klingt? Warum? Verstanden hab ich trotz-dem öfter mal nichts. So akustisch und semantisch und genuschelt und so.

Zu der Schlumpfsache werd ich jetzt nichts sagen. Ich werde nichts sagen, nein. NEIN.

Es war ein bemerkenswerter Text. Generiert aus Interviews und Gesprächen mit den Darstellern. Über das echte Leben. Darüber denkt Lydia auf der Seite 3 nach.

Gelegentlich: brillant verdichtete, unglaublich komi-sche Häppchen, die irgendwie wahr und richtig klangen. Zum Beispiel das, was sich auf die Liebe zur Mathematik, vor allem dem binären System, bezog. „Ich hab das, was vorbereitet. Guck zu und lern!“. Oder die Stelle, an der Ängste thematisiert wurden.

Oder die kricketspielenden Enkel. Oder so lichte Stellen wie „Re-vo-lu-tion, Re-vo-lu-tion, Re-vo-lu-tion“.
Dann aber gab es Momente, die sprachlich einfach so seltsam klangen, pseudooriginal, geglättet und auswendig gelernt. Zum Beispiel, als jemand einen Satz formulierte, mit mehreren komplex und korrekt untergeordneten Nebensätzen, dessen Verb „be-sonnen“ war. Und dass diese Worte, die vielleicht irgendwann mal gesagt wurden, gestern aber so aufgeschrieben und vorgetragen klangen, hat mich abgelenkt von dem Inhalt des Gesprochenen.

Foto: Dave Großmann