Familiengeschichten –
Oje? Oh yeah!

Eigentlich ist das überhaupt nicht meine Art von Theater und in den ersten zehn Minuten dachte ich auch: „Oje. Oje, Oje.“ Es war mir zu laut, zu gewollt lustig, zu frontal, zu realversucht und zu kindisch. Und all das fand ich auch später zwi-schendurch wieder. In überzeichneten Soap-Szenen und dem rauen Umgang mit sensiblen Themen. Auch bin ich konzepti-onell nicht ganz überzeugt.
Ich habe die ganz großen Klischees gese-hen, die gehörig auf die Schippe genom-men wurden, das fand ich gut. Allerdings haben diese Themen neben ihrer ober-flächlichen auch eine sensible, tiefere Sei-te, der das Stück nicht gerecht wurde, trotz der schönen Einblendungen der per-sönlichen Meinungen und Geschichten der Spieler. Aber das ist eine Frage der Vor-gehensweise und der eigenen Emotionali-tät bei gewissen Themen und das ist nicht die Frage hier. Überhaupt dachte ich zwar oft „Oje.“ Aber nicht nur.

Irgendwann wurde aus „Oje“ „Oh yeah“. Und zwar im Moment der ersten Szene mit der gesamten Gruppe, als die Figuren zur Musik verschiedene Bewe-gungsmuster zeigten. Ich sah innige Um-armung, Streit, körperliche Gewalt und Versöhnung und einen Hauch von Leich-tigkeit, der über die Bühne wehte. Sie nehmen sich nicht zu ernst, aber man sieht ihnen die Freude am Spiel an. Sie mögen sich versprechen und es kann auch sein das man ihnen ihre überzeich-neten Figuren nicht abkauft, aber dieses Stück hat Ehrlichkeit und das finde ich ganz wunderbar!

All die eingebunden Scherze, ob nun ein Vater Zigaretten kaufen geht oder gleich aufgegessen wird – surreale Momente! Ich mag das nicht alles unbedingt lustig ge-funden haben, aber um mich herum habe ich eine Menge Lacher gehört. Was zählt, ist, dass es ihr eigener Humor ist, der sichtbar wird – und lachen darf ja nun wirklich jeder wie er mag.

Das Stück hatte eine tolle Stimmung, die über die gesamte Zeit trug und dafür sorg-te, dass erheiterte Menschen aus der Wa-be strömten. Und vielleicht hat es auch zum Nachdenken angeregt. Darüber, wie lächerlich meist alles ist, was wir über das denken, das wir nicht kennen und das uns fremd ist. Und wie schnell wir vom Gegen-teil überzeugt werden können, wenn man uns die Dinge richtig (und wegen mir auch unterhaltsam) erklärt.