Failrezension: Katzelmacher

Also, Texte auswendig lernen kann das Ensemble „Typisch Hannover“ schonmal nicht. Sonst hätten sie das Stück „Katzelklo“ von Rainer Maria Rilke wohl kaum als Playback gespielt. Geschickt gelöst – fast wären wir drauf reingefallen! Schade nur, dass der Licht-Techniker zu viel Red Bull hatte. Das schnelle Licht-an, Licht-aus machte es schwer, die Prügelszene zu verfolgen. Das ist wirklich schade, weil die FZ Gewalt gerne sieht.

Inhaltlich hat das Stück es spielerisch geschafft, einen Bogen zwischen Reichsbürgertum und Augsburger Puppenkiste zu spannen. Rihannas Cover des Songs „We found love“ (Original: „BRD GmbH abschaffen“ von Xavier Naidoo) ist zu verstehen als musikalischer Fingerzeig auf den Zustand des von alliierten Mächten besetzten Deutschlands. Der Strippenzieher der Deutschland-GmbH ist das Publikum, das die Spieler*innen mit dem Satz „Gibt es denn hier nicht Arbeiter genug?“ direkt adressieren.

Orgasmus pur bringt die Schlussszene des Stücks, wenn das aus vielen Kinderbüchern bekannte Urmel am Publikum vorbei auf die Bühne ins Licht schreitet. Zu verstehen ist das als eine versteckte Anspielung auf die sogenannte „Urmel-heim-ins-Reich“-Aktion. In den letzten Monaten des Zweiten Krieges kam in führenden Nazikreisen die Hoffnung auf, den Kriegsverlauf doch noch zu Deutschlands Gunsten wenden zu können, und zwar mit Hilfe einer aus genetisch veränderter Dino-DNA gezüchteten Nazi-Monsterechse namens Ursputatorex (Codenamen: „U3″/Urmel). Nach dem D-Day wurde der Embryo aus Paris herausgeschmuggelt. Die geplante Demonstration der U3 in Anwesenheit Hitlers verlief jedoch enttäuschend. Urmel entpuppte sich als sprechende Schoßechse, die allenfalls dazu dienen konnte, Goebbels Kindern die Wartezeit im Bunker zu verkürzen, ehe sie Anfang ‘45 schockgefrostet wurde.

// feat. Philipp Neudert