Dranbleiben und loslassen können – Interview mit Daniela Gromer

Dranbleiben und loslassen können

Eine Unterhaltung darüber, wie ein Leben als Performer*in immer wieder neue Wendungen einnehmen kann und wie wichtig es ist, das zu tun, was sich gerade richtig anfühlt.

FZ: Magst du dich vielleicht kurz vorstellen?

Daniela: Ich bin Daniela, ich bin im Team von den Bundeswettbewerben und meine Aufgabe kann man Organisationsassistenz nennen — für alle vier Treffen die wir im Jahr machen. Das ist jetzt mein drittes Jahr, seit 2016 bin ich hier.

FZ: Wir haben beim Kennenlern-Parcours gesehen, dass du Tänzerin bist. Du hast ja die Menschen zum Tanzen angeleitet und da haben wir uns gefragt, wie es dazu gekommen ist, dass du hier gelandet bist und was du davor so gemacht hast.

D: Genau. Ich war 18 Jahre lang Tänzerin von Beruf, aber bin jetzt nicht mehr aktive Tänzerin. Ich habe irgendwann aufgehört und Kinder bekommen und dann habe ich eine Umschulung und verschiedene Arbeiten gemacht, bis ich über eine ganz normale Stellenausschreibung hier gelandet bin.

FZ: Und was hast du davor gemacht als Tänzerin?

D: Ich habe in München eine moderne Ausbildung mit klassischem Ballett gemacht, danach dann dort und in Berlin hauptsächlich Musicals und modernen Tanz, aber auch viel Showtanz fürs Fernsehen und für Musikshows. Viel freiberuflich also und ab und zu angestellt am Theater.

FZ: War das dann eine krasse Umstellung, wenn das ganze Leben davor aus so viel Bewegung und Bühne bestand?

D: Ja, das muss ich schon sagen. Am Anfang hab ich es nicht so gemerkt, durch die Kinder kam so ein sehr anderes Leben. Aber irgendwann hab ich dann gemerkt, wie sehr mir das alte Leben gefehlt hat. Jetzt finde es super und richtig. Und es gibt natürlich auch ein Lieblingstreffen von mir…

FZ: Das ist das Tanztreffen, schätze ich? Wusstest du schon früh, dass du gerne professionell tanzen willst?

D: Ja, ziemlich früh. Ich habe mit elf mit Stepptanz angefangen und dachte auch ich werde nur Stepptänzerin, alles andere nicht. Aber dann kamen die anderen Sachen dazu. Ich habe nach der 10. Klasse die Schule beendet, habe ein Jahr im Kindergarten gearbeitet, weil ich Kinder liebe und dachte, vielleicht werde ich Erzieherin — aber da wurde mir schnell bewusst, dass ich doch lieber auf die Bühne will. Ich bin dann an Tanzschulen vortanzen gegangen und als ich angenommen wurde war klar, dass ich Tänzerin werde.

FZ: Dann hast du ja mit den Bundeswettbewerben eine gute Mischung aus jungen Menschen, Bühne und Organisationsarbeit! Gibt es irgendwas, das du den jungen Künstler*innen gerne mitgeben würdest?

D: Ich denke einfach, wenn man die Möglichkeiten hat, das zu machen, wofür man brennt — denn diese Möglichkeiten hat ja nicht jede*r so einfach — dass man sich dann auch ruhig trauen sollte, das zu machen. Auch, wenn es bei künstlerischen Berufen oft heißt, sie wären „unsicher“. Es ist so wichtig, das zu machen, was eine*n erfüllt.

FZ: Ja, dass man die Sachen auch einfach macht und nicht immer denkt: „Ah, ich mache erstmal etwas „Richtiges“ und dann das, worauf ich wirklich Lust habe“.

D: Es weiß auch nicht jede*r sofort, was das Richtige ist. Und wenn man einfach ein paar Sachen ausprobiert, kommt man irgendwann dahin. Bei vielen Menschen muss es auch nicht eine Sache sein, sondern es gibt auch Menschen, die mehreres erfüllt, die mehrere Berufe haben.

FZ: Ja, ich glaube eigentlich ist es ziemlich natürlich, dass ein Mensch mehrere Sachen gerne mag und dass es eine komische Einschränkung ist, sich davon nur eine herauszupicken.

D: In unserer Gesellschaft muss man sich so oft für eine Sache entscheiden und das ist bestimmt nicht so leicht. Ich kann mir vorstellen, dass es bestimmt auch Angst macht. Dieses: „Oh Gott, ist das jetzt das Richtige und muss ich das jetzt bis ans Ende meines Lebens machen“. Aber da kann ich sagen, es gibt immer wieder andere Wege, andere Wendungen.

FZ: Ich glaube, Vertrauen und Mut ist da das Wichtigste. Dann läuft das schon irgendwie.

D: Ja, und dranbleiben, wenn man etwas möchte — aber auch loslassen können, wenn etwas nicht das Richtige ist.

FZ: Na das sind doch gute Worte, danke, dass du dir Zeit genommen hast!

 

Lisa