Don’t cry for me, baby:
Drama, baby

Meine Frage, als ich raus ging: Habt ihr den Film gesehen? „Romeo and Juliet“? Den mit Leonardo DiCaprio und Clare Danes, aus den 90ern?

Es war kein neues Stück, keine neue Idee. Auch im Film: Viel Action, viele Schüsse und neonleuchtende Kreuze. Ich wusste immer genau, wo ich mich im Film befinde. An sich ist das nichts Schlimmes. Man muss es nur sagen, damit es kein Copy and Paste wird, in dem man dann ein paar Sätze weglässt, oder ändert und so leichte, aber auffällige Abweichungen entstehen: Romeo trinkt beispielsweise nicht wie im Film, den Gifttrank, sondern wird im Handgemenge von Paris erschossen.

Ja, man darf schreien, man darf knutschen und rülpsen und Kunstblut benutzen, es kann dann Spaß machen zuzuschauen. Wenn aber nur geschrien wird, ist es schwierig. Oder nachdenklich. Das weiß ich nicht genau. Einerseits hatte ich das Gefühl: wie nervig! Andererseits hatte ich das Gefühl: krass, wie verzweifelt die Figuren sind. Julia singt erst ein melancholisches Lied, flippt dann aus, schreit, schreit, schreit.

Mir ist klar, dass es eine Karikatur war. Mir ist nicht klar: von wem. Das hätte ich gerne gewusst. Wen stellt die Gruppe überzogen dar? Oder machen sie es sich nur bequem, wenn sie so ein bisschen die Punk-Subkultur reinbringen, indem sie Netzstrumpfhosen tragen und Dosenbier trinken. Ich könnte nicht sagen, wer wer war. Natürlich, es gab den Romeo, der unerklärlicherweise ganz anders aussah als seine Freunde, der nur ein einziges Mal Einfluss auf die Technik hatte, indem er das Licht ausknipste. Es gab Julia und ihre Freundinnen, Schwestern? Waren es 3 oder 4?

Auch ich habe den Fuß zur Musik gewippt. Aber irgendwie, obwohl ich gar nicht wollte. Es ist nämlich ein bisschen gefährlich: irgendwann klatscht und lacht man über alles, auch über Schwulenwitze.

Foto: Dave Großmann