Der Sinn steckt
in den Sinnen drin

Die beiden Juroren Alex Riemenschneider und Uli Zehfuß haben eine Methode entwickelt, sagen sie. Eigentlich ist es auch keine Methode, sondern ein Werkzeug, das einem mehr methodische Freiheit geben soll.
„Songnavigator“ nennen sie das. Von innen nach außen wollen sie navigieren. Nicht von der ersten zur letzten Zeile.  „Die erste Zeile im Kopf muss nicht die erste Zeile im Song sein“, sagt Alex. Meist bleibt man genau dann schnell stecken. Weil man mit der ersten Entscheidung eigentlich acht Entscheidungen trifft. Und dann fehlt die Freiheit.
Erst einmal also in die Vogelperspektive wechseln. Welche Aspekte hat mein Song? Die beiden malen eine Mind-Map auf die Flipchart. Es bleibt fürs Erste theoretisch.

„Ein Song ist wie ein Prisma“, sagt Uli, und hält ein Blatt Papier mit Eddingpyramide darauf hoch. Durch ein Prisma kann man von jeder Seite schauen und sieht immer etwas anderes. Ein guter Songtext gibt dem Zuhörer genau diese Freiheit. Das funktioniert am besten durch Bilder. „Der Sinn steckt in den Sinnen drin“, sagt Uli, und „Gutes Songwriting ist Kopfkino.“ Persönlich sollen die Bilder sein, dann werden sie universell. Jeder sucht sich ein Thema, dann Bilder.
Dass alles irgendwie mit allem zusammenhängt, merkt man schnell. Habe ich ein Thema, habe ich schnell Bilder, habe ich schnell eine Hookline, habe ich schnell…
Dass in diesem Workshop also beim Thema angefangen wird, dient nur der Demonstration. Man kann auch mit einer Hookline anfangen, schauen, welches Thema steckt darin, welche Haltung? Will ich meine Haltung ändern? „Oft geht man über die Form“, sagen die beiden, also über einen ersten Satz, der in den Kopf kommt. Dann sucht man verkrampft nach einem Reim. Das ist für den Prozess aber eher hinderlich. Weil der Reim dann dich reimt und du nicht den Reim reimst.

Erst als alle Themen, Haltungen und Bilder gefunden haben, geht es mit den Songzeilen weiter. Manche nehmen sich ihre Gitarren dazu. Das fühlt sich organischer an.
Am Ende gibt es bei manchen schon einen fertigen Song. Dann sollte man sich nicht zu sehr freuen. Jetzt geht es ins Feintuning: Was stört mich noch, was stört mein Metrum? Silben streichen, Wörter streichen, vielleicht auch Sätze. „Dann wird aus einem guten Song ein super Song,“ sagt Uli.

Foto: Dave Großmann