Comix:
Getanzte Comics
und komischer Tanz

Das Ensemble der Jugend Company 2 von Performan[d]ance aus Stralsund steht schon in einer Gruppenpose auf der Bühne, als das Publikum noch seine Plätze sucht. Die Tänzerinnen und Tänzer, alle bunt gekleidet, verkörpern bereits die Comicfiguren, die sie in ihrer Produktion „Comix“ zum Leben erwecken.

Comics sind statische Bilder. Im Comic fehlt die Bewegung, sie muss erst durch den Leser hinzugefügt werden. Darum entzieht die Jugend Company 2 in „Comix“ dem Tanz die Bewegung: Die Comicfiguren auf der Bühne nehmen zum Rhythmus der Musik eine Pose nach der anderen ein. So wird gerade das, was im Lesevergnügen des Comics ausgeblendet wird, in „Comix“ herausgestellt: die Statik der Bilder.

„Comix führt auch vor, dass es im Comic keinen Ton gibt, sondern die Lautebene erst vom Leser durch seine Imagination in den Comic gelegt wird. In einer Szene nehmen zwei Tänzerinnen abwechselnd Posen zu den Silben ein, die eine dritte vor dem Publikum in ein Megaphon spricht. Diese sind Silben Nonsenslaute und bedeuten nichts Genaues, aber drücken Emotionen aus. Das verweist wieder auf den Comic, dessen Vokabular viele ‚sinnlose‘, rein lautmalerische Wörter aufweist.

Foto: Dave Großmann „Comix“ vertanzt keinen spezifischen Comic. Stattdessen wird das, was den Comic als Medium ausmacht, in den Tanz überführt. Heraus kommt eine unterhaltsame Formspielerei. Die ständigen Posenwechsel erinnern an Slapstick. Aber auch die einzelnen Posen, in die sich das Ensemble immer wieder wirft, bringen das Publikum zum Lachen: Sie sind lächerliche, übertriebene Gesten. Genauso überzeichnet verhalten sich auch Comicfiguren. Hinzu kommen die farbenfrohen Kostüme und das Bühnenbild, das mit Sprechblasen und Panels an Comicseiten erinnert. Es macht Spaß, sich diese verspielte Produktion anzuschauen.

Das Konzept sorgt für einen energiegeladenen Beginn. Aber es ist schnell erfasst. Deshalb ist es eine gute Idee, den zweiten Teil der Produktion aus der Starre zu führen und in ‚richtige Tänze‘ übergehen zu lassen. Nur gelingen ihnen diese nicht völlig präzise. Auf der Bühne befinden sich dann nicht mehr verkörperte Comicfiguren, sondern nur noch Tänzerinnen und Tänzer in Comichelden-Kostümen. Da, wo die Produktion die Bewegungen nicht mehr dem Medium des Comics entnimmt, ist sie nicht mehr so spritzig und witzig.

Fotos: Dave Großmann