Clash:
Come as you are?
Come as you were?
Come as a monkey?

„So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.“

(Erich Kästner, „Entwicklung der Menschheit“)

Danke, Thilo Sarrazin. Du hast es in ein Jugendtheaterstück geschafft. Respekt.
Ist es heute wirklich so einfach? Einfach ein Buch schreiben, das eine Debatte auslöst und schon verkauft man Millionen von Büchern. Und das Rezept? Etwas Migration, etwas Hartz IV und eine Prise Islam. Wirklich einfach, Aufmerksamkeit und Geld zu bekommen. Warum machen wir das nicht alle?
Weil dann die Theatergruppen nicht mehr nachkommen würden mit dem Produzieren von Stücken die wenigstens ein wenig aktuell sind. Wann war Sarrazin, letztes Jahr, vorletz-tes? Seitdem Fukushima, Bin Laden und die Grünen. Es ist einfach viel zu viel auf einmal, man kann kaum mehr einen Schwerpunkt legen. Weil es keine Schwerpunkte mehr gibt.
Deshalb dauert diese Migrationsdebatte auch schon seit Jahren, weil wir uns nie wirklich die Zeit genommen haben, uns als Gesellschaft einen Standpunkt zu bilden. Sondern: Ja, eigentlich ist das voll doof was der Thilo redet aber irgendwie hat er auch Recht und die Türken die sind doch gar nicht so schlimm, es gibt auch schlimme Deutsche bla bla bla.
„Clash“ dagegen hat alles in sein Stück reingepackt. Wie die Zeit auch alles in unser Leben reinpackt.
Das Stück war eine Art Gehirnmigrationsorgie mit Drehbühne. Fast alle Register wurden gezogen. Und doch merkte man an einigen Stellen: Ich kenne das schon. Das gab es schon. Schon wieder? Schon wieder die Kopftuchdiskussion. Schon wieder ein Rap. Schon wieder U-Bahn-Haltestellen.
Aber genau mit diesem „Schon wieder“ arbeitet das Stück. Schon wieder, schon wieder, schon wieder, bis wir endlich (vor allem die jungen Leute) unsere Ärsche bewegen und sagen: Lasst uns in Ruhe mit euren nicht verarbeiteten Migrationsproblemen! Wir haben diese Probleme nicht mehr. Wir fühlen uns wohl. Wir leben in einer Gemeinschaft und es ist vollkommen egal, in welchem Land und auf welchem Kontinent. Weil wir keine Affen sind. Nein, ganz bestimmt nicht. Wir sind Menschen, die jemanden wie Thilo Sarrazin hervorgebracht haben, aber die das auch gut verarbeiten können. Aber gut bedeutet auch anständig. Und gut bedeutet, auch einmal wie ein Affe denken zu können.

Foto: Dave Großmann