Clash:
Zwischen Feuerwerk
und Heißluftgebläse

Die Idee des Clashs war am gestrigen Abend mehr als ein Titel: Es war ein Leitmotiv, motivisch, inhaltlich, dramaturgisch. Karnevalesk stießen junge Menschen mit und ohne den sogenannten Migrationshintergrund, Hartz IV-Empfänger, kleinbürgerliche Provinzler und Fundamentalisten zusammen. Das alles kaleidoskopisch verwoben durch Szenen- und Settingwechsel, epische und ironische Brüche, geniale Nutzung des Bühnenraums, Musik und Tanz, und hin und wieder das plötzliche Erscheinen einer Sarrazin-Puppe aus dem Himmel. Es war keine bloße Show, es war ein Feuerwerk aus Streit und Versöhnung, scheinbarer Lösung und neuen Konflikten, Blitzlichter der Ängste, Wunsch-, Traum- und Zerrbilder unserer Zeit. Doch was geschieht im Stillen, wenn der Film reißt und der Bildersog für einen Augenblick zur Ruhe kommt?

So ein Moment kommt, als eine Figur die Frage nach einer Lösung des Chaos aus Desintegration und Ungerechtigkeit stellt. Dann Stille – und die Antwort: „Ich habe keine Ahnung“. An dieser Stelle des Stücks erhebt sich die Frage: Was steht eigentlich hinter diesen Bildern? Uns allen bekannte Ängste und Utopien, Klischees in voller Maske, wurden virtuos in intensiven Bildern beschworen und ironisch zerschlagen, aber: analysefrei, ohne sichtbaren Ausweg, ohne einen Ausblick der Hoffnung. Oder abstrakter: sogar ohne einen Riss, der sich in der berauschenden, mitreißenden Reihung von Szenen auftut und im Gedächtnis bleibt. Das Stück zieht vorbei, wie ein Heißluftgebläse, atemberaubend, solange es bläst, aber: verflogen, am nächs-ten Morgen.

Foto: Dave Großmann