Clash:
Warum man Hunde streichelt
und Pferde trotzdem isst

Diese Leute sind Alleskönner: Sie haben gesungen und getanzt. Sie haben gezeigt, dass sie ihre Musikinstrumente beherrschen und verschiedene Sprachen sprechen kön-nen. Sie haben uns Herrn Sarrazin um die Ohren geschlagen, oder besser gesagt seine Fibel: „Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ (2010).

Mit CLASH hat das Junge DT starke Festival-Vorarbeit geleistet. Prognose: Der Anglizismus des „Clashens“ wird sich wahrscheinlich im deutschen Wortschatz festsetzen. „Zusammenprallen“ kann man seit gestern mit fast allem: IQ-Messinstrumenten, den „Assis“ vor Lidl, der Zeitrechnung, den Alt-68er Hippies, den eigenen Eltern, der Reli-gion, dem Nicht-mehr-Bundesbank-Vorstands-Mitglied und noch-SPD-Mitglied (dessen Name ab jetzt nicht mehr erwähnt wird, versprochen!) aber auch mit Regalen der Staatsbibliothek, der Atomkraft, dem „Migrationshintergrund“ und natürlich auch mit dem Hammelfleisch, aber Achtung: Die Minderheitengruppe der Vegetarier haben sie dann doch außen vor gelassen!

Um die Identitätskrisen-Lawine der Menschheit, die Fragen vom Woher-wir-kommen und Wer-wir-sind, einmal vom biologischen Sinne her zu beantworten, kann diese kurze Erklärung weiterhelfen: „Der Mensch, lat. Homo sapiens, einsichtsfähiger, weiser Mensch, ist innerhalb der biologischen Systematik ein höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten. Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen und dort zur Familie der Menschenaffen“ – so Wikipedia.

Die Affenwissenschaften sind wohl ein zähes Thema, mit dem sich der heutige Mensch, äh – Affe, intensiv ausei-nandersetzt und davon auch vorerst die Hände nicht mehr lassen kann: Ersten Stoff lieferte der Roman „Planet der Affen“ von Pierre Boulle (1963) und nachfolgende Verfilmungen (1968/2001). Wahrscheinlich weiß man erst, wer man selbst ist, wenn man die anderen identifiziert hat. Moment, aber wer sind jetzt eigentlich die Anderen?

Die Debatte rund um das I-Wort, das am gestrigen Abend zu Brei zerkaut wurde, ist also nicht neu! Ach, eigentlich wollten wir doch auch nur sagen, dass wir von diesen Diskussionen jetzt wirklich genug haben, oder etwa nicht?! Da klingelte plötzlich das I-phone.

CLASH stellt fest: Wir alle haben ein Identitätsproblem, wenigstens das ist ein Anhaltspunkt, der uns alle zu vereinen scheint. Jemand stellte vorne an: „Das Problem ist das Problem“, das traf den Nagel so ziemlich auf den Kopf. Aber hey, dieses I-Wort ist auch nur ein Wort. Also keine Angst, es beißt nicht.

Neben den Multitalenten, die einen beachtlichen Startschuss für die nächsten Tage von sich gegeben haben, darf man die Bühne (und ihre Techniker) aber nicht vergessen, denn die konnte an diesem Abend auch alles: War das neben diesem dichten Inhalt womöglich ein Effekte-Overkill?! „Wahrscheinlich erst mal schlafen gehen und die vom Klatschen gut durchbluteten Handinnenflächen erholen lassen.“ – der erste Gedanke nach gestern Abend.

Am nächsten Morgen: Aber was ist denn jetzt die Lösung in dieser verrückte Debatte?!

Macht Liebe und zählt die I-Worte.

Foto: Dave Großmann